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Jubiläumsfeier im Künstlerhaus
von Timm Gudehus und Dr. Egon Fergg Normannia-Vandaliae
Der Festsaal des historischen Münchener Künstlerhauses bot am 9. Juni 2001 den würdigen Rahmen für den Festkommers zur Feier des 50jährigen Bestehens des Münchner Senioren Convents, zu dem das Corps Normannia-Vandalia als präsidierendes Corps im MSC eingeladen hatte.
Die Fahnen der Münchener Corps schmückten in farbenprächtiger Eintracht die Bühne, als die Kapelle des Luftwaffen-Musik-Korps gleich zu Beginn der Veranstaltung das Münchener SC-Lied spielte, das von allen 200 Teilnehmern des Festkommerses mit großer Begeisterung gesungen wurde.
Dieser Festkommers zur Geburtstagsfeier des MSC im Künstlerhaus ist bei einer hohen Beteiligung der Münchner Corps sehr gut verlaufen und hat überall große Anerkennung gefunden. Zahlreiche Grußworte waren dem 50jährigen Jubiläum des MSC gewidmet. So sprachen für den Vorstand des VAC Jörg Waniek Baruthiae, für den Vorstand des WVAC Dr. Wulf Thommel Vitruviae, als Vertreter der Landeshauptstadt München, Aribert Wolf, Mitglied des Deutschen Bundestages, Thomas S. Heglmeier Alemanniae in Vertretung des Vororts des WSC Borussiae Clausthal und Dr. Franz Münsterer Vitruviae für den Corpsphilisterverband München.
Der SC-Senior, Timm Gudehus, stellte in seiner Darstellung der Vorgeschichte zur Gründung des MSC heraus, daß trotz Verbot der Corps 1935 durch das NS-Regime und Umbenennung in Kameradschaften Tradition und Geist der Corps weiter existent waren, sodass bereits während des Krieges 1943 junge Aktive des Corps Suevia mit Aktiven des Corps Cisaria Kontakt aufnahmen, da man sich als Corps verstand und die corpsstudentischen Prinzipien als hohes Gut angesehen wurden. Im November 1944 schlossen die Corps Suevia und Cisaria daraufhin einen SC. Das Bemerkenswerte an diesem war, dass sich auch damals schon ein Kösener und ein Weinheimer Corps zusammenschlossen, wobei sie die gemeinsamen corpsstudentischen Prinzipien verband. Dies war auch die treibende Kraft, die 1948 die CC der Suevia, Bavaria und Palatia sowie das Corps RhenoPalatia, das damals noch dem WSC angehörte, mit dem erneuten Gedanken an einen Münchner SC zusammenführen sollte. 1950 traten diesem SC noch Hubertia, Hercynia, Transrhenania und Frankonia bei sowie 1951 Isaria und Ratisbonia.
Am 23. Juni 1951 trafen im Hause des Corps Arminia an der Schönfeldstraße die dort bereits versammelten Vertreter der Münchner Kösener Corps mit den hinzutretenden Vertretern der Münchner Weinheimer Corps zusammen, und gründeten den MSC und erklärten den heute noch bestehenden Comment als bindend.
Der SC-Senior Gudehus wies mit Nachdruck darauf hin, dass die Münchner Corps mit diesem großen Festkommers an diesem Abend das bundesweit einmalige kooperative Zusammengehen und Zusammenstehen der Kösener und Weinheimer Corps in schwerer Zeit an einem Studienort feiern wollen.
In seiner Festrede anlässlich des Festkommerses des MSC sprach Professor Dr. Arnulf Melzer, Vizepräsident der Technischen Universität München, über das neue Hochschulgesetz, in dem die Wettbewerbsfähigkeit unter den Hochschulen verbessert werden soll. Dabei sollen Zuschüsse des Staates und Sponsoring der Wirtschaft anhand des jeweiligen Hochschulangebots vergeben werden. Ferner zeigte Professor Melzer anhand des Beispiels der TU München auf, inwieweit diese Neuregelung eine Optimierung der Hochschulführung bietet, da künftig die Hochschulen in die Lage versetzt werden sollen, die Auslese unter den Studienplatzbewerbern an ihrer Hochschule selbst zu treffen, um damit die Zusammensetzung der Studenten im Hinblick auf Qualifikation, Eignung und Leistungsbereitschaft maßgeblich zu beeinflussen.
Professor Melzer hatte damit ein für die Universitäten sehr bedeutsames Thema angesprochen, nämlich die Entmachtung der seit 1972 bestehenden Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, worüber dann erst drei Monate später in der Presse berichtet wurde. So zitiert die Süddeutsche Zeitung (SZ) vom 29. August auf Seite eins in einem Artikel mit der Überschrift "Vorhang für den Platzanweiser ZVS überlässt den Hochschulen die Auswahl von Studenten" Bayerns Wissenschaftsminister Hans Zehetmeier mit den Worten: "Ein stärkeres Auswahlrecht ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für mehr Wettbewerb, Leistung und Qualität an den Hochschulen." Laut SZ ist die ZVS als "Platzanweiserin der Nation", deren Arbeit gerne mit der DDRPlanwirtschaft verglichen wird, zuletzt immer heftiger von Politikern, Professoren und Studenten kritisiert worden.
Als letzter Redner sprach Dr. Egon Fergg, Alter Herr des Corps Norrnannia?Vandalia, langjähriger Vorsitzender von Philisterium und Corpshausverein. In seiner Rede zeigte er auf, dass man bei einer derartigen Geburtstagsfeier des MSC sich auf die in den historischen Ursprüngen begründe ten zeitlosen Stärken der Corps besinnen müsse, denn diese hätten unseren Corps auch die Wiedergeburt nach dem Zweiten Weltkrieg beschert. Die historischen Ursprünge der Corps sind vom humanistischen Idealismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts geprägt und von Idealen und Tugenden bestimmt, die in allen Konstitutionen der Corps verankert sind. Dabei stand stets die Entwicklung des jungen Studenten zu einer Persönlichkeit im Mittelpunkt des Interesses. Das Corpsstudententum ist im Kern seines Wesens unverändert geblieben und die ursprüngliche Fassung der Definition eines Corps besteht im wesentlichen heute noch wie zu den Zeiten der Gründer.
Zweimal in der jüngeren Geschichte der deutschen Corps gab es einen ernsthaften Anlauf zu einer Zusammenfassung aller Corps in einem einheitlichen Verband: 1934 unter dem Druck der Nationalsozialisten und 1950 nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, als die Corps in München mit dem Ruf nach einem Deutschen SC forderten, aus den Schwierigkeiten der Vergangenheit Konsequenzen zu ziehen, Vorurteile zu überwinden und der Korporationsfeindlichkeit vereint zu trotzen.
Obwohl die Verbände KSCV und WSC unabhängig voneinander wiederbegründet wurden, wurde das 1948 in München begonnene Einigungswerk fortgesetzt und 1951 offiziell ein gemeinsamer SC, der Münchner Senioren Convent gegründet.
Wenngleich die Corps gegenüber dem NS-Regime eine konträre Haltung eingenommen hatten, mussten sie nach dem Krieg zunächst um ihre Daseinsberechtigung kämpfen. Ein ganz entscheidender Wandel trat hier 1951 ein durch das entschlossene Eintreten und Handeln des damaligen Rektors der Ludwigs-Maximilians-Universität, Professor Michael Schmaus zugunsten aller studentischen Korporationen, als er alle Verbindungen, auch die Corps, an der Universität München wieder zugelassen und damit den studentischen Korporationen die Freiheit wiedergegeben hatte. Professor Schmaus hatte schon damals sehr wohl erkannt, dass die studentischen Korporationen für die Studenten und für die Universität eine sehr große Bedeutung haben.
Schon längst hat sich die Massenuniversität heute von einem Teil ihres Bildungsauftrages verabschiedet und in diesem Bereich ein Vakuum hinterlassen. Hier besteht nun eindeutig die Aufgabe der Corps, dieses Vakuum auszufüllen und die Persönlichkeitsentwicklung interessierter und geeigneter junger Menschen zu übernehmen. Universität und Corps ergänzen sich dabei in idealer Weise. Menschenbildung und Persönlichkeitsentwicklung sind eng gekoppelt,in Tugenden und Fähigkeiten, wie sie in den Konstitutionen der Corps beschrieben werden. Die Situation, in der sich das Corpsstudententum heute befindet, ermöglicht einen hoffnungsvollen Ausblick in die Zukunft, wenn sich die Corps ihrer großen Verantwortung in der Aufgabenteilung mit der Universität bewusst sind.
Dies hat zur Voraussetzung, dass die Corps ihre Kräfte bündeln und ihre Ziele gemeinsam angehen. Das Einende, das Gemeinsame, nämlich das corpsstudentische Prinzip, sollte herausgestellt werden. Für diesen Geist der Zusammenarbeit ist der seit 1951 bestehende Zusammenschluss der Corps im Münchner Senioren Convent Vorbild, und es stimmt sehr hoffnungsvoll für die Zukunft, dass der gemeinsame Münchner SC nunmehr auf 50 Jahre erfolgreichen Bestehens zurückblicken kann und selbst seinen hohen Forderungen gerecht geworden ist. |