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Hochschulort Braunschweig

Liebe auf den zweiten Blick

So mancher, der mit dem Zug in Braunschweig ankommt, möchte am liebsten postwendend wieder kehrt machen: trostlos und nichtssagend ist der Ausblick auf graue Hochhäuser. Man hat das Gefühl, in einer hässlichen Trabantenstadt gelandet zu sein. Doch dieser Eindruck täuscht. Braunschweig hat durchaus attraktive und bemerkenswerte Seiten - zum Beispiel die Innenstadt mit ihren mittelalterlichen Bauten.

Vor dem Zweiten Weltkrieg besaß Braunschweig das größte einheitliche Fachwerkensemble Deutschlands. Obwohl das Stadt-Zentrum im Zweiten Weltkrieg zu 90% zerstört wurde, konnte ein Teil der alten Bausubstanz gerettet werden. Besonders romantisch ist der Burgplatz mit Dom und Löwendenkmal. Die mittelalterliche Stätte entführt die Sinne in andere Zeiten.

 

Stadt Heinrichs des Löwen

Wieso ein Löwendenkmal? Das mag sich so mancher fragen, der noch nie etwas von Braunschweig gehört hat. Dabei hilft der Blick in die Geschichte. Der mittelalterliche Regent Heinrich der Löwe hatte großen Einfluss auf die Stadt. Im 12. Jahrhundert machte er aus der kleinen Marktsiedlung eine mittelalterliche Großstadt. Weil Braunschweig an wichtigen Handelsstraßen lag, wurde es zu einem wirtschaftlichen Zentrum. Mit den Kaufleuten hielt der Reichtum Einzug in den Ort, und nach und nach entstanden bedeutende Bauwerke wie der Dom, das Altstadtrathaus und das Gewandhaus. Doch dem Welfenherzog lag nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung seiner Residenz am Herzen. Er hatte eine Vorliebe für die Kunst. Als Mäzen protegierte er gemeinsam mit seiner Gattin Mathilde Maler, Dichter und Diven.

 

Stadt der schönen Künste

Auch in den nachfolgenden Jahrhunderten blieb Braunschweig seinem Kultursinn treu. Der Kunstliebhaber Herzog Anton Ulrich schenkte der Stadt ein Gemälde- und Skulpturenmuseum. Heute gilt das Herzog-Anton-Ulrich-Museum als ältestes Ausstellungshaus Europas. Im Staatstheater, mittlerweile über 300 Jahre alt, wurde 1829 ein wahres Meisterwerk der deutschen Literatur uraufgeführt: Der erste Teil von Goethes "Faust". Bereits 1772 hatte hier auch Gotthold Ephraim Lessings Trauerspiel "Emilia Galotti" Premiere. Dem Aufklärer Lessing schien das kulturelle Klima der Stadt zu gefallen, denn er verbrachte dort einige Jahre - genau wie sein Schriftstellerkollege Wilhelm Raabe.

 

Stadt der Forschung und Wirtschaft

Nicht nur die schönen Künste ließen sich in Braunschweig nieder, sondern auch die Wissenschaft. 1745 wurde das Collegium Carolinum gegründet, das 1968 zur Technischen Universität Carolo-Wilhelmina avancierte. Die Universität ist die älteste Technische Hochschule Deutschlands. Ihren Impulsen verdankt Braunschweig zahlreiche Forschungseinrichtungen.

Braunschweig zählt heute zu den Städten Deutschlands, in denen die meisten Wissenschaftler leben. Auch einige Forschungsanstalten des Bundes haben hier ihren Sitz - zum Beispiel das Luftfahrtbundesamt und die Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft.

Ein weiteres Markenzeichen der Stadt sind die intensiven Beziehungen zwischen Wirtschaft und Forschung. Viele ingenieurs- und naturwissenschaftliche Fachbereiche sind eng mit der Industrie verzahnt. Studierende haben somit die Möglichkeit, durch Praktika oder Jobs Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern zu knüpfen oder mit Hilfe praxisorientierter Diplom- und Studienarbeiten theoretisches Wissen zu hinterfragen.

Weitere Informationen zur Stadt Braunschweig unter www.braunschweig.de

© 2004 Deutsche Welle

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