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Manfred Meyer Rheno-GuestphaliaeAm 23. August 2004, zwei Tage nach Vollendung seines 70. Lebensjahres, starb ein bemerkenswerter Corpsstudent: Meyer Rheno-Guestphaliae, der berühmte „Vorort- Meyer“, wie wir jungen Aktiven der damaligen Jahre ihn nannten. Seit vielen Jahren waren Krankheiten die Begleiter seines Lebens. Bis zuletzt blieb er standhaft, unverzagt, treu verbunden den Idealen seines Lebens, dankbar geborgen im Schutz seiner Familie und seines Corps. Meyer hat im Kösener Zeichen gesetzt. Ihm verdankt der KSCV, daß die üblichen Diskussionen um Fechten und Mensur auf ein Minimum (im Verhältnis zu anderen Verbänden) beschränkt blieben. Im Corps und der besonderen Funktion Meyers zeigte sich seine ihn beseelende konservative Treue zur Tradition, zur Traditionspflege, zu fest gefügten Ordnungen. Palatia Bonn scherte aus; zu aller Überraschung suspendierte Meyer umgehend den CC. Dann der oKC 1958: Der wohllöbliche CC der Palatia durfte seine Argumente und Ansichten darstellen – nach der Abstimmung durfte der verehrliche CC der Palatia den Saal verlassen. Die Präzision in Handlung und Sprache kennzeichneten Meyer. Eine Diskussion mit ihm war nicht einfach, aber gewinnbringend. 1934 in Rahden im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke geboren, hatte der intellektuell und künstlerisch hochbegabte junge Mann noch „hart wie Kruppstahl . . .“ zu sein, nicht gerade richtig für die empfindsame Seele des sowohl musikalisch als auch als Maler hochtalentierten Knaben. Nach dem Abitur Banklehre, mit viel Klavierspiel nebenbei, bedingt durch die Freundschaft zu Berufsmusikern. Dann Jura-Studium, an das er, schon verehelicht mit Sylvia Walhorn, die für ihn sorgte, in Wien ein Volkswirtschaftsstudium anschloß; die erste seiner drei Töchter wurde in Wien geboren. In Wien begegneten wir uns. Er als Posone, deren Band er erworben hatte. Ich war der „die Welt gerade neu erschaffende“ Senior meiner lieben Hellas. Meyer war ein Gegner im SC – aber dann, in den traditionellen Kaffeehäusern, im „Monopol“, im „Pusch“, huldigten wir unserer beider Vorlieben: dem Gespräch, der Diskussion – bis spät in den Morgen. Gefochten haben wir auch miteinander, natürlich PC aus einem mir nicht mehr erinnerlichen Grund, ohne daß dies unser persönliches Verhältnis getrübt hätte. Ich war wahrscheinlich der bessere Fechter auf Wiener Comment, aber Meyer war unbeugsam. Noch heute raunt man einander zu: Da war ein deutscher Corpsstudent in Wien, der bezog eine Unzahl von Schmissen am Kopf, seine Bürstenfrisur hinderte die Beurteilung. Der brauchte wirklich eine Nähmaschine, aber gestanden hat er wie ein „Einser“! 1966 promovierte Meyer über die „Typologie der Entwicklungsländer“, und dies wurde dann sein beruflicher Lebensinhalt. In Kamerun, in Manila, in Ägypten arbeitete er; zwischendurch als Banker in Wien und auf hohem Posten in Düsseldorf. Und immer wieder Konflikte und Komplikationen durch seine kompromißlose Treue zu dem „Gesetz, nach dem er angetreten“. Sein strikter Einsatz für Gerechtigkeit und seine strikte Weigerung, in irgendeiner Form Unrecht und Ungerechtigkeit zuzulassen, brachten ihm Nachteile. Aber es war genau das, worin er uns Freunden zum Vorbild wurde. Und noch einmal ließ „Vorort- Meyer“ aufhorchen. Teutonia Graz als Vorort führte eine bemerkenswerte Arbeitstagung in Innsbruck durch. Meyers Vortrag zum Generalthema „Die Kösener Freiheit“ wurde zum geflügelten Wort: „Kösener Esoterik“ – nachzulesen in der zehnten Festschrift des HKSCV von 1963. Vielleicht hat er dort seinen Zuhörern zuviel abverlangt. Wenn man aber weiß, daß Meyer seinen Vortrag später „Über die Corpsbrüderlichkeit“ nennen wollte, dann wird auch klar, daß Meyers Aussagen immer wieder am Grundsätzlichen rührten, wie Jahre zuvor im Kaffeehaus. Und Jahrzehnte später trat ich an den auch schriftstellerisch Tätigen mit der Bitte heran, uns die Habilitationsschrift Webers Rheno-Nicariae, „Die Corps im Dritten Reich“, für eine neue Auflage aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen. Mit Hilfe seiner Gattin, der unser aller Dank gilt, gelang die Arbeit in vortrefflicher Weise. Meyer ist auch ein Mitglied jener legendären Münnerstädter Runde mit Friedrich Hielscher Normanniae Berlin, jenem Diskussionskreis junger Corpsstudenten aus einer Zeit, in der man das Wort Toleranz – wie wir sagten – mit zwei „l“ schrieb. Aber wir haben sie gelernt. Wer Meyer kannte, war von ihm gefesselt. Sein klarer Geist, seine zielorientierte Denkweise waren uns Jüngeren Vorbild. Mein Leibbursch stellte Manfred Meyer, den bemerkenswerten Corpsstudenten, im Rahmen seiner Rede zu dessen Verabschiedung vor. Daraus fällt mir ein Satz auf: „Manfred Meyer war ein ‚Corpsstudent im Cut’.“ Fürwahr, das war er! Fiducit! Kaller I der Hellas, des Erz am 10. November 2004
Mit einiger Verzögerung kann nunmehr der Nachruf auf Meyer Rheno-Guestphaliae erscheinen. Er verstarb bereits vor eineinhalb Jahren. Es ist zugleich eine Erinnerung an Kaller I der Hellas, des Erz. Am 10. November 2004 schickte er diesen von ihm verfaßten Nachruf auf Meyer an dessen Corpsbruder Gerstein V Rheno- Guestphaliae, Rhenaniae Tübingen – nur sieben Tage vor seinem eigenen, plötzlichen, viel zu frühen Ableben. Dies sind damit die letzten Worte, die uns von Kaller I erhalten sind. Auch seiner gedenken wir nochmals an dieser Stelle. Sigler Bavariae München |