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Charakterliche Grundhaltungen



Dr. Michael Gante Guestphaliae Bonn

Als mir die Friedrich-von- Klinggräff-Medaille vor inzwischen gut zehn Jahren verliehen wurde, hatte ich mein Promotionsverfahren in den Fächern Geschichte und Romanische Philologie gerade abgeschlossen und eine Familie gegründet (Ich bin verheiratet und habe zwei Töchter). Von meinem ursprünglichen Berufsziel, dem Zeitungsjournalismus, hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits Abstand genommen. Statt dessen bewarb ich mich um einen - mir inzwischen wesentlich interessanter erscheinenden - Einstiegsjob in der privaten Wirtschaft. Die Zeit zwischen Promotion und Berufsstart überbrückte ich zum Beispiel mit Tätigkeiten als wissenschaftlicher Gutachter für das Bundeskanzleramt.

 

Während der Bewerbungsphase machte ich die Erfahrung, daß die Unternehmen Hochschulabsolventen aus geisteswissenschaftlichen Disziplinen wesentlich unvoreingenommener gegenüberstehen, als man das aufgrund der - jedenfalls in der Regel - fachfremden Ausbildung solcher Bewerber hätte vermuten können. Nachdem ich an einem Assessmentcenter teilgenommen hatte, das die Aachener und Münchener Gruppe für Führungsnachwuchskräfte ausrichtete, wurde mir von dem Krankenversicherer des Konzerns, der CENTRAL Krankenversicherung AG, die Position des Vorstandsreferenten für Öffentlichkeitsarbeit angeboten. Meine Aufgabe bestand zunächst darin, die Voraussetzungen für eine effiziente Öffentlichkeitsarbeit zu schaffen. Dabei habe ich eine Stabsabteilung "Public Relations" aufgebaut, deren Führung mir als Pressesprecher übertragen wurde. Die Themenpalette der Unternehmenskommunikation eines Krankenversicherers reicht von der externen Rechnungslegung über die Versicherungstechnik und die diversen Bereiche des Versicherungs- und Sozialrechts bis hin zu Fragen der Gesundheits-, Ordnungs- und Sozialpolitik. Die CENTRAL verfolgt konsequent das Leitkonzept der integrierten Unternehmenskommunikation. Hierzu wurden die PR-Abteilung und der Bereich "Marketing" vor zwei Jahren unter meiner Leitung zu einer neuen Abteilung "Unternehmenskommunikation/ Marketing" zusammengefaßt.

 

Angesichts der skizzierten Anforderungen in der Unternehmenskommunikation bin ich überzeugt, daß es mit Blick auf das Qualifikationsprofil der dort tätigen Mitarbeiter weniger auf bestimmte fachliche Voraussetzungen, sondern vor allem auf persönliche Eigenschaften ankommt. Wichtig ist auch, daß sich ein Absolvent während seines Studiums auch in anderen Bereichen engagiert hat.

 

Zurückblickend kann ich sagen, daß ich im Corps - und übrigens auch während meiner Ausbildung zum Reserveoffizier bei der Fallschirmjägertruppe der Bundeswehr - eine Menge Dinge gelernt habe, die mir während meiner beruflichen Tätigkeit sehr hilfreich waren und sind. Dabei geht es - nicht nur, aber vor allem - um bestimmte persönliche, man könnte auch sagen: charakterliche Grundhaltungen. Aber selbst dann, wenn das corpsstudentische Engagement diesen Nutzen nicht hätte, würde ich mich immer wieder dafür entscheiden, in einem Corps aktiv zu werden. Das Leben im Corps und die - wie sich im Laufe der Zeit immer deutlicher zeigt - tiefen und außerordentlich stabilen Freundschaften, die man als Corpsstudent während des Studiums geschlossen hat, sind allein schon Grund genug für ein solches Engagement.

 

Dr. Michael Gante Guestphaliae Bonn

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