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Der WVAC-Vorstand 2005/06 (v.l.n.r.): Dr. iur. Wulf Thommel Vitruviae (2. Schriftführer); Dipl.-Kfm. Harald Warmers Rhenaniae Darmstadt (Schriftführer); Dr. rer. nat. Burkhard Meister Hannoverae (Vorsitzender); Dipl.-Ing. Klaus Oertel (Schatzmeister) und Dipl.-Ing. Konrad Weber Teutoniae Berlin, Altsachsen (Stellv. Vorsitzender). Foto: Schur

Corpsstudenten müssen sich bekennen

Interview mit dem WVAC-Vorsitzenden Dr. Burkhard Meister Hannoverae

 

CORPS: Herr Dr. Meister, der neue WVAC-Vorstand besteht aus bewährten und erfahrenen Corpsstudenten, die sich bereits alle durch erfolgreiche Arbeit für das Corpsstudententum ausgezeichnet haben. Sie selbst sind WVAC-Vorsitzender für die Jahre 2005 und 2006, waren die zwei Jahre zuvor Beirat im WVAC-Vorstand und in den Jahren 2001 und 2002 schon einmal WVAC-Vorsitzender. Ein Ausdruck von Kontinuität?

Der WVAC-Vorsitzende Dr. Burkhard Meister Hannoverae: Das sicherlich auch. Ich bin froh, daß in der Verbandsarbeit erfahrene Corpsstudenten dem Vorstand angehören. Ich möchte bei dieser Gelegenheit allen Vorstandskollegen danken, daß sie sich wiederum bereit erklärt haben, weiterhin im Vorstand für unsere Corps engagiert tätig zu sein. Sie alle sind nun seit vier und mehr Jahren auf dieser Ebene für den Verband tätig. Mein besonderer Dank gilt meinem Vorgänger Dr. Wulf Thommel Vitruviae, der in den vergangenen Jahren den WVAC erfolgreich geführt hat und dem neuen Vorstand als 2. Schriftführer angehört. Von den vielen Aktivitäten möchte ich speziell die Umgestaltung des Seminarwesens hervorheben, die durch ihn entscheidend beeinflußt wurde. Ich möchte aber auch nicht vergessen, Joachim Link Friso-Cheruskiae zu danken. Er hat in den vergangenen zwei Jahren als Schriftführer für den WVAC eine wichtige Arbeit geleistet.

Die Zusammensetzung des Vorstandes sichert eine sehr gute

Zusammenarbeit und Kontinuität. Aber wir müssen natürlich auch an die zukünftige Führung des Verbandes denken. Hier ist es sicher notwendig, in diesem und im nächsten Jahr an einem deutlich verjüngten Vorstand von 2007 an intensiv zu arbeiten. Die Erfahrungen der Vergangenheit haben gezeigt, daß dies eine ausgesprochen schwierige Aufgabe darstellt. Deshalb hat der neue Vorstand bereits begonnen, sich nach geeigneten Persönlichkeiten umzuschauen. Wir hoffen, daß wir noch in diesem Jahr die vakanten Beisitzerpositionen mit Corpsstudenten besetzen können, die sich der Mitgliederversammlung 2006 als Kandidaten für den Vorstand zur Verfügung stellen.

CORPS: Dies ist sicher eine wichtige und unerläßliche Aufgabe. Aber das alleine ist kein Programm, keine Zielsetzung für die kommenden zwei Jahre. Gibt es so etwas wie eine Strategie des Vorstandes?

Meister: Nach wie vor ist das Überleben der Corps ein drängendes Problem. Viele Corps befinden sich am Rande der Lebensfähigkeit. Wenn wir den Corpsbestand aus dem 1. WSCRundschreiben 2004/05 anschauen, so haben 25 Prozent der Corps weniger als 18 studierende Mitglieder einschließlich der auswärtigen iaCB, die nur beschränkt, wenn überhaupt, den Corpsbetrieb unterstützen können. 13 Prozent der Corps haben sogar zehn und weniger Studierende. Bei solchen Zahlen ist das Ende absehbar, wenn keine Wende eintritt. An dieser Stelle möchte ich aber betonen, daß die Nachwuchswerbung Aufgabe des WSC und der einzelnen Corps ist, der WVAC kann und will hier nur unterstützend und beratend helfen.

Ganz grob gesprochen, müssen wir auf zwei Feldern tätig sein. Zum einen müssen wir von den Studienanfängern die Anzahl derjenigen, die potentiell Corpsstudenten werden könnten, vergrößern, zum anderen müssen wir dieses Potential noch optimaler erschließen. Dies ist leicht gesagt, aber schwierig zu realisieren.

CORPS: Grundsätzlich ist dieses alles richtig, aber nicht neu. Welche konkreten Maßnahmen will der Vorstand in den vor uns liegenden zwei Jahren ergreifen?

Meister: Wir müssen feststellen, daß das Corpsstudententum heute in der Öffentlichkeit, ja selbst an den Universitäten und Hochschulen, nicht wahrgenommen wird. Die Ursache hierfür liegt vornehmlich bei den Corps und ihren Mitgliedern selbst. Die Leistungen der Corps für die Gemeinschaft, die Gesellschaft, das Vaterland fasse ich immer gern unter den Begriffen „Bildung, Erziehung, Gemeinschaft" zusammen. Sie in die Öffentlichkeit zu transportieren ist die Verantwortung jedes einzelnen Mitgliedes der Corps. Leider zögern immer noch die meisten Alten Herren, sich öffentlich zu bekennen. Dies ist für mich ein Zeichen von unbegreiflicher Hasenfüßigkeit und entspricht nicht den Idealen des Corpsstudenten, zu denen doch gerade das furchtlose Eintreten für die eigene Überzeugung gehört. Das Einfachste sei hier sofort genannt: Wir müssen gemeinsam mit den AHV erreichen, daß jeder die Corpsnadel trägt. Hierzu gehört zweifellos ein noch besseres Vertriebskonzept. Beispielsweise müssen bei der Weinheimtagung an Verkaufsständen Nadeln bereitgehalten werden, ebenso bei Stiftungsfesten und Weihnachtskneipen der Corps.

Eine weitere Maßnahme betrifft die Aktiven und Inaktiven. Sie sollten an den Universitäten und Hochschulen als Corpsstudenten zu erkennen sein. Hierzu haben wir gemeinsam mit dem Vorort des WSC verabredet, daß als Pilotprojekt einheitliche Poloshirts von den Corpsstudenten des SC zu Hannover mit dem Aufdruck WSC und unserer Internetadresse www.die-corps.de getragen werden. Wir hoffen, daß diesem Beispiel die anderen SC folgen werden. Idealerweise sollte im nächsten Schritt dann wieder das Band dazu getragen werden. Wir alle, jung und alt, dürfen nicht nur mutig hinter verschlossenen Türen „Burschen heraus" singen, wir müssen öffentlich danach handeln. Das Bekenntnis von zirka 23 000 Corpsstudenten hat eine höhere Wirkung als die noch so aufwendige überregionale Werbekampagne. Dies wird bei einem Vergleich mit anderen Vereinigungen wie Rotariern und Lions deutlich. Diese ziehen ihr positives Image aus dem Wirken ihrer Mitglieder vor Ort auf lokaler Basis und dem Bekenntnis zu ihrer Vereinigung.

CORPS: Zum Bekenntnis gehört nicht nur das Tragen der Nadel, sondern auch die Fähigkeit in Gesprächen mit Kollegen, Geschäftspartnern, Freunden und Bekannten, die Idee des Corpsstudententums überzeugend zu vertreten. Was kann der WVAC hier an Unterstützung bieten?

Meister: Jeder sollte in der Lage sein, unsere bereits genannten Kernaussagen „Bildung, Erziehung und Gemeinschaft" zu erläutern. Das Erlebnis der Gemeinschaft ist für junge Menschen von besonderer Bedeutung. Als Mitglied eines Corps findet der junge Student eine generationsübergreifende Gemeinschaft vor. Er erfährt eine Familie im besten Sinn. Dies bedeutet, daß jedes Corpsmitglied Bestandteil des umfassenden Netzwerkes ist. Im Mittelpunkt der Erziehung stehen, auf der Grundlage von Toleranz, Freiheit und Demokratie, universelle Werte wie Aufrichtigkeit, Fairneß, Rücksichtnahme, aber auch Durchsetzung, Verantwortungsbewußtsein, Pflichterfüllung, Selbstbeherrschung und Mut. Die Aufgabe der Bildung wird von den Corps besonders ernst genommen. Das hebt an mit einem zügigen und erfolgreichen Studium. Der junge Student wird frühzeitig durch seine älteren, erfahreneren Corpsbrüder „an die Hand genommen". Die Akademie Weinheim Seminar und die CorpsAkademie schließen die Qualifizierungslücken zwischen einem Studium und den konkreten Anforderungen im Beruf.

Zur Unterstützung kann der im vergangenen Jahr erstellte Flyer, aber auch das immernoch aktuelle Video „Corps TV" herangezogen werden. Eine ausführliche Darstellung ist in dem grünen Heft „100 Jahre Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten" unter dem Titel „Die Bedeutung der Corps in unserer Zeit" zu finden.

CORPS: Sie sprachen eingangs auch von einer Unterstützung durch den WVAC-Vorstand zur besseren Erschließung des Potentials an geeigneten Studenten für unsere Corps. Welche konkreten Vorstellungen haben Sie hier für die kommenden zwei Jahre?

Meister: Erfreulicherweise haben wir eine ganze Reihe von Corps, die seit Jahren eine erfolgreiche Nachwuchsarbeit betreiben und einen Bestand an Aktiven und Inaktiven aufweisen, der ihre Zukunft sichert. Häufig kann man feststellen, daß an demselben Hochschulort sowohl erfolgreiche als auch gefährdete Corps zu finden sind. Daraus folgt, daß es nicht in erster Linie die externen Faktoren sind, die den Erfolg eines Corps bestimmen. Wir möchten gemeinsam mit den erfolgreichen Corps die bestimmenden Kriterien erarbeiten. Hierzu ist geplant, gemeinsam mit dem WSC-Vorort Interviews zu führen. Voraussetzung ist natürlich, daß die Corps, die wir ansprechen werden, auch bereit sind, offen mit uns zu reden. Die so erarbeiteten Kriterien wollen wir in unserer Verbandszeitschrift, auf Wunsch natürlich auch ohne Namensnennung, kommunizieren, um sie so allen Corps zugänglich zu machen.

Weiterhin stellen wir uns vor, vergleichbare Gespräche mit Corps zu führen, die in der Vergangenheit suspendieren mußten und wieder einen bewundernswerten Turnaround erreichen konnten. Schließlich sind wir natürlich bereit, auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse, die nicht so erfolgreichen Corps zu unterstützen.

Dies alles läßt sich schnell und zügig formulieren, bedeutet aber für alle Beteiligten ein hohes Maß an Engagement und Zeit.

CORPS: Häufig hört man die Kritik, daß die Corps nicht nur zahlenmäßig mit Problemen zu kämpfen haben, sondern auch die Qualität der jungen Studenten durchaus verbesserungswürdig ist. Kann der WVACVorstand auch hier behilflich sein?

Meister: Bei diesem Problem, das ich durchaus erkenne, setzen wir auf eine intensive Zusammenarbeit mit Jugend Aktiv. Diese Initiative hat bisher eine bewundernswerte Arbeit geleistet. Fast 500 hochbegabte Schüler haben bisher das Coaching durchlaufen. Jugend Aktiv ist zu einem anerkannten Partner von Kultusministerien und Schulen geworden. An dieser Stelle möchte ich stellvertretend für andere Götz JunkersLommatzsch Franconiae Darmstadt und Lothar Mehl Albertinae danken. Wir werden weiterhin finanzielle Unterstützung leisten. Gemeinsam mit Jugend Aktiv wollen wir an den Universitäts- und Hochschulstandorten Vertrauenspersonen aufbauen, die Absolventen bei Aufnahme ihres Studiums betreuen und an geeignete Corps weiterleiten.

Über allem steht: Wir werden die Aktiven nach besten Kräften unterstützen, ihnen helfen und zur Seite stehen. Ich möchte dies besonders hervorheben, weil wir viel zu wenig loben und viel zu viel für selbstverständlich halten: Wir haben sehr gute und sehr engagierte Aktive. Wir haben Aktive, die nach vorne schauen und die mit einer Selbstverständlichkeit Corpsstudenten sind, die mir zeigt: Wir werden es schaffen.

CORPS: Ich danke Ihnen, Herr Dr. Meister, für das Gespräch und wünsche dem WVAC-Vorstand für seine Aktivitäten viel Erfolg.

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