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Das Haus der Arminia München

von Konrad Ibel Arminiae, Hermann Sand Arminiae und Peter von Unold Arminiae

Wenn man Landkarten Münchens aus dem 18. Jahrhundert betrachtet, kann man unschwer erkennen, daß das Gebiet nördlich der Residenz, das Schönfeld, noch weitestgehend unbebaut vor den Toren der damals noch kleinen Stadt lag. Erst Kurfürst Karl Theodor hatte das Gelände als Bauland an Münchner Bürger verkaufen lassen. Nach der Erhebung Bayerns zum Königreich wurde es im Schatten der Residenz bevorzugtes Baugebiet. In der Schönfeldstraße, welche die Ludwig- mit der Königinstraße verbindet, wurde 1889 ein Eckbau im Stil der Neurenaissance errichtet (heute Hausnummer 22). Der Architekt ist unbekannt. Das Corps Arminia wurde am 4. Januar 1845 an der damaligen Forstlehranstalt in Aschaffenburg gegründet. Mit „Allerhöchster Entschließung“ vom 14. September 1910 wurde der forstliche Lehrbetrieb ab dem Wintersemester 1910/1911 an die Ludwig- Maximilians-Universität in München verlegt. Die drei Forstcorps Hubertia, Arminia und Hercynia zogen nach München um. Es war ein Glücksfall, daß der vormalige Rektor der Universität, Corpsbruder Prof. Dr. Max Endres, 1920 den Kauf des Eckanwesens Schönfeldstraße 22/ Hahnenstraße, mit der Gaststätte Rosenheimer Garten, für das Corps um 120000,- Mark ermöglichen konnte. Noch im gleichen Jahr wurde der Corpshausverein Arminia gegründet. Die notwendigen Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen rückten wegen der Inflation in immer fernere Zukunft. Es erforderte viel Opferbereitschaft von den Arminianern, die Baukosten aufzubringen. Der Altbau von 1889 mußte für den Corpsbetrieb adaptiert werden, ein Festsaal, ein kleinerer Kneipsaal ausgebaut und eine Corpsdienerwohnung geschaffen werden. Das bekannte Baugeschäft Paul Böhmer (mit Architekturbüro) bot 1925 an, diese Bauaufgabe schlüsselfertig zum Festpreis von 84000,- Reichsmark herzustellen. Im April 1925 wurde mit den Bauarbeiten begonnen und – kaum zu glauben – unserer Chronik nach war bereits im Februar 1926 unser Corpshaus fertig. Zehn Jahre später forderten die Nazis die Auflösung der Studentenverbindungen oder ihre Eingliederung in NS-Organisationen. 1936 wurde das Corps Arminia suspendiert. Durch Vermietung unseres Hauses an die Deutsche Jägerschaft, mit dem Recht der Mitbenutzung durch unsere Alten Herren, konnten wir einer Übernahme des Corpshauses durch eine NS-Organisation zuvorkommen. Am 6./7. Januar 1945, nur zwei Tage nach dem 100. Stiftungstag, wurde das Haus bei einem Luftangriff zu zwei Dritteln zerstört. Wirtschaftliches und rechtliches Chaos prägten die erste Nachkriegszeit. Viele Corpsbrüder waren noch in Kriegsgefangenschaft, so daß der Wiederaufbau eine kaum lösbare Aufgabe für die nur wenigen Corpsbrüder war. Jeder Dachziegel, jeder Holzbalken war eine überall begehrte Kostbarkeit in der zerstörten Stadt. Unser Corpsbruder Hans Graßmann wurde damals mit Energie und Weitblick zum zweiten Gründer Arminias, wie unsere Chronik vermeldet. Mit einem Kabinettstück an Verhandlungstaktik gelang es, eine Beschlagnahmung durch die amerikanische Militärregierung abzuwenden. Durch Vermietung eines Teils unseres Hauses an die Deutsche Theaterschule konnte der Wiederaufbau gegen Aufbauleistungen geschultert werden. Es zeugt von der erneuten Opferbereitschaft der Arminianer, daß auch der Wiederaufbau in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen ist. 1949 wurde das Corps Arminia rekonstituiert und der Corpsbetrieb im 2. Obergeschoß wieder aufgenommen. Unser Corpshaus hat in der Nachkriegszeit (1949 – 1952) einigen Münchner Corps, die ihre Häuser noch nicht wieder beziehen konnten, eine vorübergehende gastweise Aufnahme gewährt. Das 1. Obergeschoß konnte 1955 vom Corps wieder bezogen werden. In den Räumen des 2. Obergeschosses fanden die befreundeten Gesellschaften Harbni und später Niederlandt eine Unterkunft. In den Folgejahren waren zur Abdeckung der aufgelaufenen Schulden Spenden- und Darlehensaufrufe an die Arminianer notwendig. Wiederholt wurden auch Überlegungen über eine weitergehende Vermietung von Teilflächen oder gar den Verkauf des Hauses angestellt. Die großzügige Struktur und die Gliederung unseres Anwesens in drei Trakte, den denkmalgeschützten dreigeschossigen Altbau von 1889, den zweigeschossigen Festsaalbau von 1925 mit dem 130 Quadratmeter großen Saal und den Zwischentrakt mit der 80 Quadratmeter großen Kneipe im Obergeschoß hat es im Lauf seiner Geschichte immer wieder erleichtert, Teile zu vermieten, die nicht für das Corps benötigt wurden. Mit den Mieteinnahmen konnten Erhaltungs- und Ausbaumaßnahmen leichter finanziert werden. Diese bewährte Situation und der solide Zustand unseres Corpshauses läßt uns auch mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Zur Zeit bestehen drei Mietverhältnisse: Das Erdgeschoß beherbergt das für seine Wildspezialitäten bekannte Feinschmeckerlokal „Halali“. Der Saalbau ist im Erdgeschoß an ein Fotoatelier, im Obergeschoß an eine Ballettschule vermietet. Bei besonderen Gelegenheiten wird der Saal vom Corps genutzt. Die übrigen Obergeschoß- Räume dienen dem Corpsbetrieb: Foyer, Garderobe, Kneipe, Schänke mit kleiner Küche, Burschen-, Chargen- und Altherren-Zimmer sowie Sanitäranlagen. Im Erdgeschoß unter der Kneipe steht noch ein Vorbereitungsraum für die Corpsdienerin zur Verfügung. Im 2. Obergeschoß des Altbaus wurde 1999/2000 ein Wohnheim mit sechs Einzelzimmern, einem Schlafraum mit sechs Betten, einem Gemeinschaftsraum und Sanitärräumen für junge Corpsbrüder ausgebaut. Alle Zimmer sind seither von Füchsen und Burschen belegt. Der Dachraum des Altbaus wird als Paukboden genutzt. In dem 1991 herausgegebenen Band „Denkmäler in Bayern“ ist der folgende Eintrag zu finden: „Schönfeldstraße 22. Eckbau, Neurenaissance, 1889; mit Südflügel an der Hahnenstraße, erbaut 1926 von Paul Böhmer für das Corps Arminia.“ Der Denkmalschutz, die bevorzugte Lage im Stadtzentrum zwischen dem Englischen Garten und der Ludwigstraße und die Nähe zu den beiden Universitäten, vervollständigen schließlich den Genius loci des Corpshauses Arminiae. Das Haus der Arminia ist vielen Generationen von Corpsbrüdern zum zweiten Heim geworden. Die gediegene Ausstattung spielt dabei sicher eine Rolle. Das dreimal in der Woche stattfindende Abendessen ist traditionell ein wesentlicher Bestandteil des Corpslebens. Das Wohnheim trägt viel dazu bei, daß auf dem Arminianer-Haus immer etwas los ist. Nicht zuletzt ermöglicht es die derzeitige finanzielle Lage des Corps, die laufenden Beiträge der Mitglieder des Corpshausvereins auf einem niedrigen Niveau zu halten und sich mit weiteren Ausbauplänen zu befassen. Wir sehen mit großen Hoffnungen der Zukunft entgegen. Der Verband für Studentenwohnheime e. V., Bonn unterstützt Studentenwohnheime bei der Ausübung ihrer gemeinnützigen Tätigkeit.Weitere Informationen unter:VfSt e. V.Thomas-Mann-Straße 6253111 BonnTel.: 0228-650 890Fax: 0228-635962www.vfst-bonn.deinfo@vfst-bonn.deWenn Sie „Ihr“ Haus oder sogar die Häuser „Ihrer“ Universitätsstadt vorstellen wollen – sei es als Reportage, Baubericht oder auch als gelungenes „Finanzierungsmodell“ – dann schreiben Sie bitte an: CORPS, Siegelsmauer 11, 69126 Heidelberg.Wenn Sie „Ihr“ Haus oder sogar die Häuser „Ihrer“ Universitätsstadt vorstellen wollen – sei es als Reportage, Baubericht oder auch als gelungenes „Finanzierungsmodell“ – dann schreiben Sie bitte an: CORPS, Siegelsmauer 11, 69126 Heidelberg.

 

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