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Die Sanierung des Alemannenhauses in Karlsruhe
von Dr. Friedrich Wilhelm Toffel, AlemanniaeDas 1908 erbaute Corpshaus an der Nowackanlage ist für uns Alemannen seit 97 Jahren der zentrale Ort unseres corpsstudentischen Lebens. Im Jahr 2002 haben wir detailliert den Baubestand des Corpshauses erfaßt. Das Ergebnis veranlaßte uns dazu, das Corpshaus vollständig zu sanieren, um die Ansprüche, die wir an ein modernes Wohn- und Repräsentationsgebäude stellen, insbesondere unter Beibehaltung des „traditionellen Corpshausflairs", wieder zu erreichen und für mindestens 20 weitere Jahre sicherzustellen. Zu den Sanierungszielen im einzelnen: Nach der Sanierung ist das Corpshaus der Ort, an dem Alemannia hauptsächlich seine corpsspezifischen Aktivitäten wahrnimmt. Hierzu gehören im besonderen der Geschäftsbetrieb des CC, das studentische Fechten, das Feiern der Kneipen, andere Semesterveranstaltungen, Empfang und Bewirtung von Gästen sowie Repräsentation und Werbung für unser Corps zur Nachwuchssicherung. Ein weiteres Ziel der Sanierung ist die Bereitstellung von attraktivem Wohnraum für junge Studenten. Darüber hinaus streben wir mit der Sanierung die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit und Sicherheit des Hausbetriebes bei gleichzeitiger Senkung seiner Störanfälligkeit an. Die Planungsleistungen: Grundlage der Planungsleistungen war die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Mit dem Beschluß, das Corpshaus zu sanieren, wurde gleichzeitig festgelegt, daß ein externes Planungsbüro mit den Leistungsphasen eins bis neun des „Leistungsbildes Objektplanung" zu beauftragen ist. Nach Erfordernis wurden Teilleistungen für Tragwerksplanung und Planung der technischen Gebäudeausrüstung ergänzend im Einzelfall zusätzlich beauftragt. Möglicherweise stellt sich bei der Betrachtung der genannten Planung die Frage, ob diese tatsächlich in einem derartigen Umfang erforderlich ist. Könnten hier nicht Planungsleistungen ausgelassen oder übersprungen und damit Planungskosten eingespart werden? Grundsätzlich ist ein derartiges abkürzendes planerisches Vorgehen möglich. Dieses würde auch Planungskosten sparen helfen. Durch kürzere und weniger Planung besteht jedoch die Gefahr, sich die zu erstellenden Bauleistungen vor der Ausführung nur unscharf vergegenwärtigt zu haben. Das Risiko, Planungsfehler, widrige Umstände oder Änderungswünsche nicht während der Planung, sondern erst während der Bauzeit zu identifizieren, steigt. Daraus folgende Änderungen, welche an bereits ausgeführten Bauleistungen erforderlich werden, sind mit vergleichsweise höheren Kosten verbunden. Die Einsparungen, die durch ein Weniger an Planung erreicht werden können, werden vermutlich durch ein erhebliches Mehr an Kosten für Bauleistungsänderungen während der Bauphase aufgebraucht werden, so daß unterm Strich bei einer gekürzten Planung mit höheren Gesamtkosten zu rechnen ist, als vergleichsweise bei einer sorgfältigen, umfassenden Planung. Es empfiehlt sich daher, zunächst sorgfältig und vollständig die Leistungsphasen eins bis sieben zu machen, bevor mit der Bauausführung begonnen wird. Die Bauleistungen: Das Dach wurde mit dem Ziel der nachhaltigen Dichtigkeit und der Reduzierung der Heizkosten vollständig neu eingedeckt und wärmeisoliert. Die Elektroinstallationen wurden vollständig erneuert. Jedes der sieben Aktivenzimmer erhielt EDV-, Telefon- und Fernsehverkabelung. Aus Sicherheitsgründen ist eine hauseigene Brandmeldeanlage installiert worden. Die Heizungsanlage mit allen Installationen wurde vollständig erneuert. Ebenso wurden fast alle Sanitärinstallationen erneuert. Ein Sanitärobjekt „sui generis", welches am Markt derzeit aus Porzellan neu nicht mehr erhältlich ist, wurde sorgfältig abgebaut, überarbeitet und fachgerecht wiederinstalliert. Weiternutzung ist möglich: Bierjunge! Die Küche wurde ebenfalls vollständig erneuert und mit einer Bierzapfanlage aufgewertet. Einige Fenster wurden durch neue ausgetauscht, die übrigen überarbeitet. Die Türen wurden entweder durch neue ausgetauscht oder überarbeitet. Das gesamte Haus, mit Ausnahme der Naßräume, erhielt Holzparkett als Bodenbelag. Küche und Bäder wurden neu gefliest. Alle Räume erhielten ferner neue Wand- und Deckenbeläge. Die vorhandenen Tragkonstruktionen an Dach, Decken und Wänden waren in ihrer Tragfunktion nahezu unbeschädigt, so daß Ausbesserungsmaßnahmen nur in einem geringen Umfang erforderlich wurden. Die Kosten und ihre Finanzierung: In der Kostenschätzung wurden für die Sanierung etwa brutto 800 Euro je Quadratmeter angesetzt. Mit diesen 800 Euro sollten alle Kosten der Kostengruppe eins bis neun gemäß DIN 276 abgedeckt sein, die im Zusammenhang mit der Sanierung anfallen. Also neben den Baukosten auch insbesondere Kosten für Räumung des Hauses und Einlagerung der Möbel und des Inventars, Kosten für die teilweise Neumöblierung, Planungskosten und Mietkosten für die Übergangswohnung der Aktiven. Der Kostenanschlag nach der Vergabe der Bauleistungen bestätigte mit brutto 770 Euro je Quadratmeter die vorgenannte Kostenschätzung. Die Kostenfeststellung nach Schlußrechnung aller Gewerke endete wieder bei brutto 800 Euro je Quadratmeter, so daß die in der Leistungsphase drei geschätzten Kosten tatsächlich eingehalten werden konnten. Etwa 50 Prozent der Kosten wurden vor Baubeginn durch Spenden zusammengetragen. Die übrigen Kosten sind über einen Kredit abgedeckt worden. Der Planungs- und Bauprozeß: Die Planungen begannen Ende 2002 mit der Bauaufnahme. Die Ergebnisse der Entwurfsplanung inklusive der Kostenschätzung wurden der Corpsgemeinschaft im Juni 2003 vorgestellt. Auf dieser Grundlage wurden Genehmigungsplanung und Ausführungsplanung beauftragt und im Dezember 2003 verabschiedet. Bis Mai 2004 erfolgten Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen. Auf der Grundlage der Vergaben und des Kostenanschlags begann im Mai 2004 die vollständige Räumung des Hauses von Möbeln und Inventar. Beginn der Bauarbeiten war der 15. Juni 2004. Nach etwa 5 Monaten Bauzeit erfolgte der Wiedereinzug am 10. November 2004. Die Beteiligten an der Sanierung: Von der Corpsgemeinschaft sind drei Corpsbrüder mit der Begleitung der Sanierung beauftragt worden. Diese vertraten das Corps gegenüber allen Baubeteiligten wie zum Beispiel gegenüber den Planern, den Bauunternehmen, der Bank und den Behörden. Unterstützt in der Projektsteuerung durch den Bauherrn wurde dieses Gremium durch die Bluetrust Baunetzwerke GmbH aus Karlsruhe. Die Objektplanung übernahm die Cischek Ingenieure GmbH aus Heidelberg. Mit den Bauleistungen wurden im wesentlichen ortansässige Bauhandwerksunternehmen in Einzelvergabe beauftragt. Das Corpshaus der Alemannia ist saniert. Ob wir alle Ziele, die wir mit der Sanierung verbinden, auch erreichen werden, wird die Zukunft zeigen. Mit neuer Begeisterung sehen wir einer erfolgreichen Zukunft entgegen und wir wollen weiterhin unser schönes Haus mit zukunftsorientiertem, akademischem Leben füllen. |