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von Professor Dr. Hermann Rink Hassiae Gießen zu Mainz, Gothiae

 

Dieser Titel könnte sich auf einen historischen Vortrag beziehen, mit dem Versuch, die jahrhundertelange Entwicklung der sich ständig wandelnden abendländischen Universität darzustellen. Einer Universität, die einst mit der Platonschen Akademie im Hain des Akademos begann und sich über die Urformen der Universitäten in Bologna und Paris bis Prag, Wien und Heidelberg hinzieht. In Bologna entstand der uns so vertraute Begriff der „Vorlesung", weil aus den damals nur an diesen Orten einmalig vorhandenen handgeschriebenen Folianten zum Beispiel Justiniansches Recht vorgelesen werden konnte. Der Begriff des Professors, der für Geld also zur professio, als Vorleser und später auch als Interpretator gehalten oder angestellt war, ist hier genauso geprägt worden wie die Institution des Rektors, der damals allerdings noch aus der Mitte der sich selbst und die Universität vollständig organisierenden Studenten gewählt wurde.

 

In Paris entstanden, abweichend von dem italienischen Modell, das sich nach den uns vertrauten Nationes ausrichtete, die Fakultäten. Dieses Modell wurde in die deutschen Lande importiert. wobei die Nationes erst nachträglich wieder erschienen.

 

Aus diesen Anfängen entwickelte sich mit vielen Höhen und Tiefen über einige Jahrhunderte hindurch die landesherrlich gestiftete und oder päpstlich privilegierte Universität, der schließlich beim Übergang ins 19. Jahrhundert das Humboldtsche Bildungsideal eingepflanzt wurde. Es wird getragen von den Schlagworten: Freiheit der Forschung und Freiheit der Lehre, sowie Einheit von Forschung und Lehre. Einem Prinzip das die Angelsachsen völlig unverändert übernommen und auch heute noch in weit stärkerem Maße hochhalten: „ Indivisibility of Teaching and Research".

 

Diese Universität war in erster Linie Bildungsstätte, dass der Gebildete dann auch berufstauglich war, ergab sich von selbst. Der Landesherr benötigte juristisch und kameralistisch geschulte Beamte, Lehrer, Theologen und Mediziner. Beruf und Berufsausübung waren jedoch dem primären Bildungsziel nachgeordnet. Der Student ist auf der Suche nach der Wahrheit. Aus Wahrheitsliebe, aus Entdeckerfreude, um seiner selbst willen, aber nicht des Geldes willen und nicht der Berufsausübung wegen sollte studiert werden. Schillers berühmt gewordene Antrittsrede in Jena, worin er die Studenten in die geistigen Köpfe und die Brotköpfe einteilte, macht dies besonders anschaulich.

 

Forschung heißt gewinnen von Erkenntnissen, gewinnen von Bausteinen die hin führen zur Wahrheit und wer neue Erkenntnisse gewonnen hat, der ist auch bestrebt diese mitzuteilen. Auf dieser Einsicht beruht die Forderung nach Einheit der Lehre und Forschung, die damit implizit auch die Modernität, eben das AkutNeue in sich einschließt.

 

Der Rückblick ist interessant, allein schon deshalb weil hier unsere Wurzeln liegen, dennoch möchte ich mich der Jetztzeit zuwenden und versuchen aufzuzeigen, vor welchen dramatischen Veränderungen unserer Hochschulen wir zur Zeit stehen. Dazu sollte allerdings der komplexe Begiff Universität definiert werden.

 

Im Grunde kennen wir drei große Klassen von Hochschulen. a) das angelsächsiche Modell. Die Universitäten sind Einrichtungen, die frei und staatsunabhängig agieren.

 

b) das französische Modell. Die Universitäten sind Einrichtungen des Staates, werden von diesem voll finanziert aber auch kontrolliert. Sie dienen vornehmlich der akademischen Berufsausbildung.

c) das deutschen Modell, das einen Mittelweg zwischen den beiden erstgenannten Typen einschlägt. Bei freier Selbstverwaltung erfolgt die Finanzierung durch den Staat. Bei den Staatsexamen, die einer akademischen Berufsausbildung im Staatsdienst vorgeschaltet sind (Mediziner, Pharmazeuten, Juristen, Pädagogen), hat der Staat ein Aufsichtsrecht (Prüfungsinhalte, Lehrpläne, Studienzeiten, Prüfung, Studienplan, Studienzeit). Über dieses Mitspracherecht beginnt die Einmischung des Staates in die Belange der Universität.

 

Die Fakultäten stellen autonome sich selbst erneuernde Organe dar. Aus der Mitte der amtierenden Professoren kommen die Vorschläge für die Nachfolger auf einen freien Lehrstuhl. In einem zweiten Schritt beruft die Landesregierung aus der Vorschlagsliste den Nachfolger. Diese werden in der Regel immer nur so gut sein, wie diejenigen, die sie berufen haben. Sie werden auch nur der Richtung anhängen, die mehrheitlich in der Fakultät vertreten wird. Wer würde sich schon freiwillig einen Kollegen rufen, der alles besser weiß? Umgekehrt darf man sagen, wer wird schon gerne dort hingehen, wo nur mit Wasser gekocht wird, wo der Ruf tief abgesunken ist. Die Fakultäten der deutschen Hochschulen sind allerdings seit Generationen ausgeblutet. Der hohe Blutzoll der beiden Weltkriege, die Emigration der Juden, die Entnazifizierungswelle, die deutsche Teilung und der Exodus von Forschem hat nicht zur Blüte beigetragen. Nach dieser notwendigen Basisbetrachtung möchte ich zu meinem eigentlichen Anliegen kommen.

 

Der Wandel unserer Universitäten heute

 

Es heißt häufig, die Universitäten seien veraltete, starre Strukturen einer vergangenen Zeit - dies ist ein Vorurteil. Einige werden sich noch des Schlagwortes der Achtundsechziger Jahre erinnern: „In den Universitätstalaren steckt der Muff von 1000 Jahren." Nein, so ist es nicht, in den vergangenen 100 Jahren haben die deutschen Universitäten nicht weniger als zehn Reformen über sich ergehen lassen müssen und sind damit auch fertig geworden. Die letzte wirklich große Neuordnung erfolgte 1923 durch Carl Heinrich Becker „Grundsätze einer Neuordnung der Universitätsverfassung". Danach bestand die einhellige Auffassung, das es einer Universität dann gut gehen wird, wenn eine starke, gut geführte Fakultät auf ein ebenfalls starkes Ministerium trifft. 1968 bis 1970 wurde die transparente, basisdemokratisch ausgerichtete so genannte Gruppenuniversität mit ihrer unglückseligen Drittelparität eingeführt, die schon 1985 in wesentlichen Teilen korrigiert werden musste.

 

Der heute bevorstehende Wandel kommt primär nicht von innen heraus. Er wird durch äußere Umstände erzwungen. Eine These, eine Forderung folgt der nächsten, sodass sich zwar nur noch wenige neue Verordnungen und Gesetze diskutieren lassen - dann wäre es auch für Vieles, auf das wir uns vorbereiten sollten, schon zu spät - aber die Konturen der Veränderungen beginnen sich abzuzeichnen und darüber möchte ich berichten. Wir, die studentischen Korporationen, an erster Stelle die Corps, fühlen uns nicht nur der Universität verbunden, wir fühlen uns als ein Teil der Universität.

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