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Die Universität im Wandel / 4. Teil

Von Professor Dr. Herrmann Rink Hassiae Gießen zu Mainz, Gothiae

 

Fortsetzung von CORPS 4 / 2002

 

Um die folgenden Punkte wird es in der nächsten Zukunft gehen:

Kürzere Studienzeiten
Regelstudienzeiten
Einführung von Trimestern ?
Weniger Studienabbrecher
Studiengebühren?
Bessere Selektion nach Beruf und Forschung
Einführung der Bachelor (B.Sc.) und der Master (M.Sc.) Degrees
Studien-Module
Einführung des Block-Studiums
Studium um Punkte nach ECTS (European Credit Transfer System)
Vorlesungen und Übungen in Englischer Sprache
Globalisierung
Internationalisierung
Europäisierung
Auslandssemester
Studium per Internet
Schaffung kleiner, privater, hochkarätiger Universitäten
Universitäten sollen 20 Prozent der Bewerber selbst auswählen dürfen
Studenten: Studienbegleitende Beratung (Aufsicht !) wird zur Pflicht. Transparenz, Dynamik, Motivation, Konzentration, Problemorientierung, Selektion
Professoren: Kontrolle von oben, Hochschulrat an die Universität, Einfluß auf den Rektor, Rektor ist weisungsbefugt gegenüber den Dekanen, Dekan ist weisungsbefugt gegenüber den Dozenten, Studiendekane haben Weisungsbefugnis für die Studenten
Das Kurssystem der gymnasialen Oberstufe steht auf dem Prüfstand (Baden-Württemberg). Fünf Kernfächer mit Deutsch als Pflichtfach werden gefordert.
Ein undifferenzierter Übergang zwischen allen möglichen Schulen auch Hochschulen wird angestrebt.
Die Universität soll sich als eine selbstständige Korporation begreifen, die wirtschaftlich denkt und handelt. Der Hochschulbeirat soll sie dabei unterstützen - oder - beherrschen ?

Studienerfolge sollen international mindestens europaweit anerkannt werden. Studien- und Ortswechsel soll ohne Semestereinbuße erleichtert und im europäischen Rahmen sogar gefördert werden. Dazu wird ein Studiengang in Modulen zusammengestellt, die a) von Hochschule zu Hochschule äquivalente Inhalte aufweisen und b) von verschiedenen Wissenszweigen aus belegbar sind (interdisziplinär) und anerkannt werden, die c) Flexibilität gewähren sollen und d) ständig modernisiert werden können. Das heißt Abschied von der alten Art der Vorlesung, die am ersten Semestertag beginnt und am letzten Tag endet. Modulstudium heißt in zeitlichen Blöcken studieren, sich auf ein Thema konzentrieren. Neben der Konzentrierung auf eine Spezialität soll auch die bessere Prüfbarkeit, die Gleichwertigkeit und Austauschbarkeit, die Kompatibilität, und Durchlässigkeit mit anderen in- und ausländischen Universitäten ermöglicht werden. Die Flexibilität und Mobilität der Studenten soll damit europaweit gefördert werden.

 

Der Standort Deutschland soll international attraktiver werden. Ein Ausdruck des internationalen Systems besteht in der Abschaffung der deutschen Titel - des Diploms und möglicherweise auch des Doktors. Dafür werden die angelsächsischen Titel eines Bachelors (B.Sc.) und Masters (M.Sc) eingeführt. Speziell die Naturwissenschaften einiger Universitäten bieten diese Abschlüsse bereits an: Bonn zum Beispiel in der Landwirtschaftlichen Fakultät mit dem M.Agr. (Tropen und Subtropen). Der Bachelor soll einen berufsbefähigenden Zustand beziehungsweise Abschluß beinhalten. Das deutsche Habilitations- Verfahren soll völlig gestrichen werden. Das deutsche Diplom sei ein Auslaufmodell (Bundesministerin Edelgard Buhlmann).

 

Die internationale Austauschbarkeit wird unterstützt durch das internationale Bewertungssystem:

 

A(1,0 bis 1,29) hervorragend
B (1,3 bis 1,59) sehr gut
C (1,6 bis 2,59) gut
D (2,6 bis 3,59) befriedigend
E (3,6 bis 4,09) ausreichend
F (> 4,10) nicht bestanden

und das Credit Point System, das heißt für jeden erfolgreich absolvierten Baustein im Verlauf eines Studiums gibt es Punkte (Credit Points), die gutgeschrieben werden. ECTS (European Credit Transfer System) heißt das Zauberwort der Zukunft. Das System soll kompatibel, transparent, dokumentierbar und akkumulierbar sein.

 

Der Studienfortschritt wird durch mindestens zwei Drittel der vorgesehenen Credit Points (CP)/ Semester dokumentiert. 120 CPs  nach vier Semestern heißt automatisch, dass die Studienvorprüfung bestanden ist. Danach ist Fachberatung obligatorisch und die angestrebte Kombination muß genehmigt werden. Bei Nichterreichen der CP-Zahl kann der Studiendekan den Abbruch des Studiums veranlassen.

 

Im Masterstudiengang soll mindestens eine der Hauptvorlesungen in englischer Sprache gehalten werden. Arbeiten können in jedem Fall in englischer Sprache eingereicht werden.

 

Die Einführung von Studiengebühren wagt keine Partei in den Mund zu nehmen, obwohl es sich von der sachlichen Seite aus anbietet. Sie gelten als eine ultima ratio. Zumindest bei Überschreiten der Regelstudienzeit und bei den Privatuniversitäten wird ein Zuzahlen in Frage kommen.

 

Noch nicht heiß diskutiert aber angedacht, ist auch nach angelsächsischen Vorbild das Einbringen, sozialen Engagements wie zum Beispiel Sport, Mannschaften, Kultur, Theater, Musik, Gesang. Dieses Engagement könnten bei der Auswahl der Studenten oder der Bewertung mit CP berücksichtigt werden.

 

Die Naturwissenschaften müssen die Technikfeindlichkeit abbauen. Vermehrt wird das Modulsystem eingeführt werden. Ein Studium der Chemie qualifiziert nicht mehr ausschließlich für die forschende Industrie, sondern vermehrt auch für die Überwachung (Luft, Wasser, Nahrung, Toxizität, Ämter), die Beratung, den Verkauf und vor allem die Neuentwicklung von Produkten. Das heißt, es müssen auch andere Fähigkeiten und Fertigkeiten geweckt werden, damit sich der Fachmann mit seiner spezifischen Sprache anderen verständlich machen kann und Akzeptanz erwirbt für sich, seine Produkte, seine Verfahren und seine Einstellung.

 

Fortsetzung in der nächsten CORPS-Ausgabe

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