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Dr. Hubert Scheuer
30 Jahre Philistervorsitzender der MoenaniaGanz im Zeichen eines höchst seltenen Jubiläums feierte das Corps Moenania seine Weihnachtskneipe 2004 in Würzburg. Genau dreißig Jahre zuvor hatte der Mitinhaber einer gynäkologischen Praxis und einer Klinik für Geburtshilfe Dr. med. Hubert Scheuer als einer der jüngsten Vorsitzenden eines AH-Verbandes dieses Amt im Corps Moenania übernommen. Scheuer, aus einer Familie Breslauer Lausitzer stammend, war zu diesem Zeitpunkt erst knapp 37 Jahre alt und seit 15 Jahren Corpsstudent. Scheuer entwickelte sich zu einem ausgesprochenen Glücksfall für sein Corps: Er machte das Mainländerheim aus der Wiederaufbaubescheidenheit zu einem repräsentativen Zentrum des Corps und zu einem beliebten Ziel der studentischen Jugend Würzburgs, der Kösener Corpsstudenten und darüber hinaus. Das zweite wichtige Verdienst war, daß Scheuer Anstoß und Rückhalt für eine offene Befassung mit der eigenen Corpsgeschichte gab. Nachdem Scheuer schon vor Jahren den nur in drei Exemplaren vorhandenen Mainländer Ehrenring verliehen bekommen hatte, dankte das Corps seinem Corpsbruder dessen beispielhaften Einsatz auf der Weihnachtskneipe mit dem traditionellen Bocksbeutel und überraschte den Jubilar erfolgreich mit einem Novum: Aus der Hand seines 1974 rezipierten Nachfolgers Helmut Wagner erhielt Scheuer eine Festschrift, an der nicht nur Corpsbrüder, darunter der Corpshistoriker Dr. Walter Brod, sondern auch Vertreter befreundeter Corps, namentlich der frühere VAC-Vorsitzende Gerhard Daniel Palaiomarchia-Masoviae, Palaiomarchiae EM sowie aus dem akademischen Bereich der langjährige Weggenosse Scheuers, der frühere Präsident der Universität Würzburg, Prof. Theodor Berchem mitgewirkt hatten. Lesenswert sind nicht nur die medizin- und corpshistorischen Beiträge, sondern, besonders für Inhaber von (nicht nur Corps-) Ehrenämtern, auch die entsprechenden Betrachtungen zu diesem Thema. Exemplare der Festschrift im Umfang von 76 Seiten können in begrenzter Zahl kostenlos vom Corps Moenania oder dem Verfasser dieser Zeilen bezogen werden. Ein Resumee von Scheuer: „Es hat mir Spaß gemacht, mitzuerleben, wie die Corpsbrüder zum Wohl des gesamten Corps immer wieder neu gesteckte Ziele erreicht haben. Das alles war natürlich nur möglich durch einen Vorstand, der in seiner Zusammensetzung alle Generationen vertrat. Unverändert ist das Zusammenleben in der Corpsgemeinschaft, das Miteinander der Generationen und das Zusammengehörigkeitsbewußtsein der Familien. Was hat sich geändert? Die jetzige Studiensituation, die den jungen Studenten Angst macht, sich zusätzlich zu engagieren. Das zunehmende Desinteresse an Vereinen jeglicher Art, das EinzelkindComputerfreak-Phänomen, das Überangebot an Aktivitäten, der geringer werdende Bekanntheitsgrad des Corpsstudententums. Wie muß es weitergehen? Das Haus als Treffpunkt der studentischen Jugend muß gepflegt werden. Aus Geldmangel werden die Universitäten auf zusätzliche Informationsveranstaltungen verzichten. Hier wäre die Möglichkeit für die Verbindungen, sich in universitäre Strukturen einzubringen. Individuelle Appartements, um sich zum Lernen zurückzuziehen, werden bei aller Forderung nach Gemeinsamkeit auf dem Corpshaus mehr und mehr gebraucht. Das Corps muß nach außen gehen, es muß die Universität für sich gewinnen – Stichwort ‚Alumni’, in Würzburg bei den Juristen ein fester Faktor, in anderen Universitäten, wie Freiburg, schon etabliert. Die Begeisterung für unsere Universität zu wecken, gehört auch zu unserer Aufgabe. Der Weltkorporationstag, der in Würzburg abgehalten wurde, war eine Möglichkeit, internationale Beziehungen anzuknüpfen. Die Corps müssen die Möglichkeit anbieten, Auslandsaufenthalte und Praktika neben dem Erwerb von soft-skills, das heißt, Fähigkeiten und Fertigkeiten über das Studium hinaus, wahrnehmen zu können. Alle Corps müssen zusammenarbeiten und kleinliches Hickhack untereinander vermeiden. Fazit: Man kann nicht über den Verfall der Werte jammern, wenn man nicht bereit ist – und wir als Corpsstudenten sind verpflichtet – zu deren Erhalt beizutragen. Von jedem Einzelnen wird jetzt mehr Engagement gefordert, personell und materiell, wobei das letztere nicht allein ausschlaggebend ist. Ich jedenfalls möchte bis an mein Lebensende stolz sagen können: ‚Ich bin Corpsstudent, ich bin Mainländer und liebe mein Corps’." Ralf-Roland Schmidt-Cotta Moenaniae, Germaniae Lausanne |