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Flexibilität als Basis der beruflichen Karriere
Als mich der Stifterverein 1993 mit der „Friedrich-von- Klinggräff-Medaille“ auszeichnete, hatte ich drei Jahre zuvor mein Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen mit Auszeichnung abgeschlossen. Meine Vertiefungsrichtung Energietechnik versprach wenig Konkurrenz und gute Karriereaussichten. Die Assistentenstelle war angetreten und die Bearbeitung des mit der Industrie vereinbarten Themas angelaufen. Innerhalb kurzer Zeit änderte sich die Situation allerdings grundlegend: Die offenen Ingenieurstellen gingen drastisch zurück und Forschungsgelder wurden gestrichen. Ich mußte Flexibilität beweisen, als das Thema von einem bekannten experimentellen Fachgebiet in ein bis dato völlig unbekanntes theoretisches wechselte. Aller Unbill zum Trotz führte es mich nach fünfjähriger Institutstätigkeit zur Promotion. Thema: „Wissenschaftliche Untersuchungen zur Auslegung von luftatmenden Antriebssystemen von horizontal startenden Raumtransportern“. Mein privates Leben entwickelte sich noch in Aachen mit Philistrierung und Hochzeit. Nach unerfülltem Kinderwunsch adoptierten wir unsere erste Tochter Eileen – 18 Monate später gebar meine Frau unsere Tochter Maike. Als 1995 die befristete Assistentenstelle endete, bot mir ein ehemaliger Kollege eine Stelle in der Entwicklung der heutigen Rolls Royce Deutschland Ltd & Co. KG an, die Luftfahrttriebwerke herstellt. Einsatzort war Dahlewitz/ Brandenburg, was wiederum besondere Anforderungen an die Flexibilität der inzwischen vier Mitglieder umfassenden Familie stellte. Die Annahme der Herausforderung führte mich von der Fachabteilung „Aerodynamische Auslegung von Verdichtern“ zur Stabsabteilung „Methodenentwicklung“. Die nicht zuletzt im Corpsleben erworbenen Kenntnisse des Projektmanagements halfen dabei, die Meilensteine „Geburt Sohn Tim“ am 25. November 1997 und „Einzug in das neue Haus“ am 27. November 1997 einzuhalten. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die private Karriere zwar gut entwickelt, aber die berufliche stagnierte. Ich beschloß, meinen weiteren Karriereweg neu zu gestalten und mich am Markt auszurichten. Aber wie flexibel kann die Berufslaufbahn aussehen? Intensive private Weiterbildung und 18monatige interne Bewerbung führten mich 1999 in den internationalen Einkauf desselben Unternehmens. Dabei gelang mir der Wechsel hauptsächlich aufgrund meiner Kenntnisse in Management, Organisation und Rhetorik: Die Fähigkeit, einem Lieferanten angemessen und strukturiert gegenüberzutreten, habe ich hauptsächlich in den drei Chargen und fünf Ämtern meiner Corpslaufbahn gelernt. Als „Referent Lieferantenentwicklung“ bekam ich darüber hinaus die einmalige Möglichkeit, die Methoden der internen Unternehmensberatungen von BMW und Rolls Royce kennenzulernen. Meine Investition zahlte sich im Frühjahr 2000 mit dem Anruf eines ersten Headhunters aus: In der nachfolgenden Bewerbungsphase entschied ich mich für die Position des Leiters strategische Logistik im internationalen Einkauf der Schmitz Cargobull AG, Altenberge/ Münsterland. Schmitz ist heute europäischer Marktführer im Bau von Sattelaufliegern mit einem hochprofitablen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. 2001 – 2004 habe ich die genannte Stabsabteilung aufgebaut, die mehr als 80 Mitarbeiter fachlich führt und die Materialversorgung des Gesamtkonzerns lenkt. Zu den Schwerpunkten gehörte die Leitung eines McKinsey- Projekts sowie das Reengineering der Standorte Newcastle, Zaragoza und Mecklenburg-Vorpommern in die Gewinnzone. Seit 2004 baue ich die Abteilung „Lieferantenentwicklung“ auf, die internationale Consulting-Projekte bei Lieferanten etwa in Österreich, Frankreich oder Dänemark macht. Insgesamt bestimmten also drei Faktoren meinen Weg: Grundlegende Ausbildung im Studium, begleitende Ausbildung von Organisation und Management im Corps und die Erhaltung der Flexibilität im familiären Umfeld, um zukünftige Chancen optimal nutzen zu können. Und wie stelle ich mir die Zukunft vor? Ich bleibe flexibel . . .
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