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Frauen und Corps
von Gerd Daniel "Die Hand, die die Wiege bewegt, bewegt die Welt!" sagt ein altes spanisches Sprichwort aus dem 17. Jahrhundert. Unschwer ist zu erkennen, daß damit der Einfluß der Frauen auf das Weltgeschehen gemeint ist.
Dieser Satz gilt natürlich auch für die kleine Welt der Corps. Welche Rolle das weibliche Geschlecht in den Corps spielte, ist zumindest seit Einführung der Fotografie dokumentiert. Lange bevor der Ruf nach Emanzipation und Frauenquote laut wurde, war es selbstverständlich, daß die Frauen, Freundinnen und weiblichen Verwandten aktiv am Corpsleben teil hatten.
Natürlich gab und gibt es einige Tabus in den Corps für das schönere Geschlecht. Corps sind nun einmal tradionell Männerbünde. Ich kann mir auch beim besten Willen keine Frau auf der Mensur vorstellen.
Doch kann ich mir andererseits keine Fete, keinen Ball oder auch nur ein gemütliches Beisammensein auf dem Corpshaus ohne Damen vorstellen. Heute ist es doch ganz selbstverständlich, daß Kommilitoninnen und Kommilitonen zusammen studieren, egal ob in der Vorlesung, in der Uni-Bibliothek oder auf dem Corpshaus. Es gibt zahllose Ehen, die ihren Anfang auf einem Corpshaus gefunden haben. Fazit aus dem bisher Gesagten: Corpsstudententum ohne Frauen ist fad! Ich habe bisher jedenfalls in langen Jahren der Zugehörigkeit zum Corps das Vorurteil der Frauenfeindlichkeit niemals bestätigt gefunden. Daß Studentinnen sogar aktiv am Verbindungsleben teilnehmen, mag ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der Frauenverbindungen zeigen.
Schon kurz nach der Jahrhundertwende, als Frauen zum Studium an Universitäten zugelassen wurden, gründeten sich Damenverbindungen. Bereits 1914 existierten in vier Dachorganisationen 57 Frauenvereine. Im Wintersemester 1929/30 gab es sechs Dachorganisationen, von denen etliche auch Verbindungshäuser besaßen. 1933 lösten sich die Damenverbindungen unter dem Druck des Regimes auf.
Es gab also und gibt viele Gemeinsamkeiten zwischen „männlichen" und „weiblichen" Korporationen.
Inzwischen gibt es in Deutschland wieder rund 25 Korporationen für Studentinnen. Und sie sind nicht aus einer „Schmollecke" heraus gegründet worden, weil die Corps und andere Korporationen die Aufnahme von Studentinnen ablehnen. Wer so etwas behauptet, kennt die wahren Ursachen schlecht. Auch hier steht im Vordergrund, dem Massenbetrieb der Universitäten Oasen der Selbstfindung anzugliedern, in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter den geistigen Horizont zu erweitern, Freundschaften für das Leben zu schließen - genau wie es auch die männlichen Pendants der Damenverbindungen pflegen. |