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Freie Universität
Studierende, die nicht bereit waren, sich an der 1946 im sowjetischen Sektor eröffneten Universität Unter den Linden politisch maßregeln zu lassen, brachten den Mut auf, in dieser schwierigen Situation eine Universitätsgründung vorzubereiten. Als an dieser Universität drei Studenten die Studiererlaubnis ohne Rechtsverfahren und aus politischen Gründen entzogen wurde, kam es zu Protestversammlungen von Studierenden im Westteil der Stadt. Bereits am 4. Dezember 1948 wurde die Freie Universität dank der Unterstützung engagierter Wissenschaftler, Berliner Politiker und der Vereinigten Staaten von Amerika im Titania-Palast feierlich ins Leben gerufen. Im Wintersemester 1948/49 wurde der Lehrbetrieb - unter denkbar einfachen Bedingungen - in Instituten der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Dahlem aufgenommen. Der Wechsel des berühmten Historikers Friedrich Meinecke von der Universität Unter den Linden verschaffte der jungen Universität erheblichen Prestigegewinn. Bedeutende Wissenschaftler kamen aus der Emigration nach Berlin zurück und prägten das Bild der jungen und weltoffenen Universität: Richard Löwenthal, Ernst Fraenkel, Wilhelm Weischedel, Otto Stamer, Helmut de Boor, Hans Herzfeld, Ernst Heinitz und Emil Dovifat. Die großzügigen Spenden aus Amerika halfen der FU über die schwierigen Anfangsjahre hinweg. Der Henry-Ford-Bau der FU ist ebenso ein amerikanisches Geschenk wie die Universitätsbibliothek, die Mensa und das Klinikum in Steglitz. Spätestens mit dem Besuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy 1963 war die Freie Universität zum Symbol der deutsch-amerikanischen Freundschaft geworden. Da der Anstoß zur Gründung der Freien Universität von Studierenden ausging, erhielten sie im Akademischen Senat Sitz und Stimme - ein für die damalige Zeit einmaliger Vorgang. Ins Schlaglicht der Öffentlichkeit geriet die FU mit dem Ausbruch der Studentenbewegung in den sechziger Jahren, die sich gegen die amerikanische Vietnampolitik und gegen erstarrte Universitäts- und Gesellschaftsstrukturen wandte. Die Ermordung des Germanistikstudenten Benno Ohnesorg während des Schahbesuchs am 2. Juni 1967 ließ den Studentenprotest zur Massenbewegung werden, der sich nach dem Anschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke in den Ostertagen 1968 weiter radikalisierte. Der Studentenprotest hatte wichtige Auswirkungen auf die Universität. Mit dem Berliner Universitätsgesetz von 1969 verloren die Professoren erstmals ihre Mehrheit in den Gremien, mit Rolf Kreibich wurde im selben Jahr ein Hochschulassistent erster Präsident der FU. Studentische Proteste und Vorlesungsboykotte gehörten in den siebziger Jahren zur Tagesordnung, bis der inneruniversitäre Streit durch das ständige Wachsen der FU in den achtziger Jahren langsam den pragmatischen Auseinandersetzungen in einer modernen Massenuniversität wich. Die Öffnung der Mauer am 9. November 1989 markierte einen weiteren Wendepunkt in der Geschichte der FU. Sie geriet in einen fruchtbaren Wettbewerb mit den anderen Hochschulen Berlins. Die Entwicklung der FU in den neunziger Jahren ist gekennzeichnet von gravierenden Haushaltskürzungen, die zu einem erheblichen Abbau zwingen. Die Universität nutzt diese Umbruchsituation zur Neuorganisation der Fachbereiche und Bibliotheken, zur Vereinfachung der Verwaltung und zu einer deutlichen Leistungsverdichtung in Forschung und Lehre.
An der Freien Universität waren zum Wintersemester 2001/2002 mehr als 40.000 Studenten eingeschrieben. Damit studieren ungefähr 30 Prozente der in Berlin lebenden Studenten an dieser Hochschule im Südwesten Berlins. Der Ausländeranteil gleicht mit nahezu 30 Prozent dem der Technischen Universität. Dafür ist der Anteil der weiblichen Studenten mit 58 Prozent sehr viel höher. |