![]() |
GedenkenPeter Preu Guestphaliae Erlangen EM, Normanniae Halle zu Gießen
In tiefer Trauer haben Guestphalia Erlangen und Normannia Halle zu Gießen Abschied genommen von ihrem Corpsbruder und Ehrenmitglied Peter Preu, der am 13. August 2002 nach langer Krankheit im Alter von 72 Jahren verstorben war.
Der in Regensburg geborene Jurist war beruflich fast sein ganzes Leben lang für die bayerische Finanzverwaltung tätig, zuletzt als Finanzpräsident der Oberfinanzdirektion Nürnberg - als "Nordbayerns oberster Steuerbeamter", wie er sich selbst bezeichnete. Seit 1961 engagierte er sich politisch bei der CSU. 1969 kandidierte Peter Preu gegen den SPD-Oberbürgermeister Andreas Urschlechter und erreichte gegen den Amtsinhaber stolze 27 Prozent. Von 1972 bis 1990 war er dann Mitglied im Nürnberger Stadtrat.
Für Peter Preu war das Corps Guestphalia ein ganz besonders wichtiger Teil seines Lebens. In der Familientradition - schon sein Großvater und sein Vater waren Erlanger Westfalen - kam er 1950 als Fuchs zu Guestphalia. Er war vom ersten Augenblick an ein begeisterter und äußerst pflichtbewusster Corpsstudent. Das ist er bis zuletzt geblieben.
Es zeichnete Peter Preu aus, dass er sich trotz seines großen beruflichen Einsatzes gleich nach seiner Philistrierung voll in die Arbeit der Altherrenschaft eingebracht hat. 1959 wurde er Schriftführer, 1964 übernahm er das Amt des Altherrenvorsitzenden, das er ununterbrochen 26 Jahre lang ausübte. Zusammen mit Corpsbruder Darsow initiierte er den Brückenschlag zum Magdeburger Kreis. Unter seiner Führung wandelte sich Guestphalia vom Lebens- zum Waffencorps: nicht alle wollten dies damals mittragen. Ihm aber war es zu verdanken, dass es nicht zum Bruch gekommen ist und die Entwicklung heute von allen Corpsbrüdern als richtig anerkannt wird. Mit den befreundeten Corpsbrüdern des Magdeburger Kreises knüpfte er enge Verbindungen. Peter Preu trug mit Stolz auch das Band, das ihm von unserer lieben befreundeten Normannia Halle zu Gießen verliehen worden ist. Mit der Ernennung zum Ehrenmitglied - dem einzigen - hat Guestphalia versucht, sein jahrzehntelanges Engagement zu würdigen.
Bis zu seinem Tod war es ihm ein Herzensanliegen, Klammer zwischen den Generationen im Corps zu sein. Er selbst bezeichnete sich einmal als Berater, Beichtvater und zugleich, wenn auch augenzwinkernd, als "Zuchtmeister" des Corps - so haben wir ihn sein Leben lang geschätzt und so werden wir ihn stets Erinnerung behalten.
Karl-Friedrich Beuckelmann Neoborussiae, Guestphaliae Erlangen
Dr.-Ing. Horst Grefkes Teutoniae Stuttgart, Delta Aachen "Die Grundlagen des Corps sind klar, die sind ewig. Wir brauchen aber Macher, die diese Grundlagen umsetzen."
Dies war eine der Maximen, die das Verhältnis unseres Corpsbruders Dr. Horst Grefkes zu seinem Muttercorps Teutonia Stuttgart während seines ganzen Lebens prägten und die seinen unermüdlichen Einsatz für das Corps kennzeichneten.
Am 29. August 2002 ist Horst Grefkes nach langer und schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren in Viersen gestorben. Geboren in Aachen, wurde er noch als Jugendlicher zu Kriegsende als Flakhelfer bei Aachen eingesetzt. Nach dem Krieg half er bei dem Wiederaufbau der Familienfirma. Er studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule in Stuttgart und wurde im September 1949 bei der damaligen "Akademischen Verbindung Teutonia" in Stuttgart rezipiert. Aus einem Kreis von vier engen Freunden, der sich bald durch weitere gleichgesinnte und hochbegabte Freunde erweiterte, bildete sich eine aktive Keimzelle, aus der heraus sich dann wieder das Corps Teutonia restituieren sollte. Doch der Weg dahin war mit vielen Widerständen gepflastert. Alle fünf Aktiven und die Inaktiven schlugen dann innerhalb kürzester Zeit ihre Pflichtmensuren. Dadurch konnte das Corps Teutonia zu Stuttgart und Dresden rechtzeitig in einem aoFCC am 21. Mai 1952 wieder offiziell restituiert werden, genau 100 Jahre nach seiner ersten Gründung im Jahr 1852. Horst Grefkes war einer dieser vorwärtstreibenden Restitutionsburschen.
Nach seinem Abschluß mit dem Dipl.-Ing. an der TH Stuttgart zog es Grefkes wieder nach Aachen, wo er nach einer Assistententätigkeit an der RWTH Aachen zum Dr.-Ing. in der Werkstoffkunde promoviert wurde. In dieser Zeit war er auch bei Delta Aachen aktiv geworden. Beruflich war Horst Grefkes fast immer in Firmen der Fahrzeugtechnik und der Metallverarbeitung tätig, schnell im oberen Management oder im Vorstand. Nach der Wiedervereinigung berief ihn die Berliner Treuhandzentrale mehrmals zu komplizierten Sanierungen in die Neuen Bundesländer.
Horst Grefkes war sowohl bei seinen beruflichen Aufgaben, aber auch bei seinen Aktivitäten für das Corps, eisern bei seinen Plänen und war unermüdlich und findig, diese auch durchzusetzen. Tatkräftig, zupackend, war er ein nimmermüdes Energiebündel. "Ohne Hingabe geht es nicht" - dies betraf sein Verhältnis zum Beruf, zur Familie, zum Corps und zu den zahlreichen Freunden. Er hatte Freude am Umgang mit Menschen, aber auch Freude an der Macht selbst, an der Möglichkeit, Einfluß zu nehmen und selbst gestalten zu können. Es bereitete ihm Genugtuung, zu sehen, wenn er wirklich etwas gestalten konnte und wenn am Ende einer Krise alle Beteiligten, trotz schmerzlicher Eingriffe, doch wieder einen Silberstreifen am Horizont sahen.
Geholfen hat ihm dabei auch die selbstlose Unterstützung durch seine Frau Hildegard, die genau wie er aus einem unabhängigen und selbstbewussten Hause kam, und das Verständnis seiner beiden Töchter.
Horst Grefkes war für das Corps Teutonia immer Moderator, Berater und Freund, stellte aber auch hohe Forderungen an die Qualität der jungen Corpsbrüder und an das Corpsleben. Er selber war viele Jahre Schatzmeister des Altherrenverbandes der Stuttgarter Teutonen und half mehrmals phantasievoll und mit Druck das Corps und das Corpshaus zu sanieren. Um so mehr freute er sich, als es dann mit dem Corps Teutonia wieder aufwärts ging, als hoffnungsvolle Füchse und Burschen aktiv waren und sich wieder ein lebendiges Corpsleben mit Niveau einstellte. Eine persönliche Teilnahme am Stuttgarter Corpsleben war ihm in den letzten Lebensjahren nicht mehr vergönnt, seitdem er unter der Parkinsonschen Krankheit litt und er nach mehreren Schlaganfällen in seiner Bewegungs- und Ausdrucksfähigkeit schwer behindert war.
Dass das Corps Teutonia in Stuttgart nun seit 150 Jahren besteht und selbst nach schweren Krisenzeiten immer wieder wie ein Phoenix aus der Asche aufsteigen konnte, ist im Wesentlichen einigen wenigen Männern voller Tatkraft und Phantasie, solchen wie unserem verstorbenen Horst Grefkes, zu verdanken. Horst Grefkes hat sich wirklich um das Corps Teutonia in Stuttgart verdient gemacht.
Peter von Kaehne, Teutoniae Stuttgart |