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Heinrich Heine (1797 – 1856)
Nein, in den „Kösener Corpslisten“ wird sein Name nicht erwähnt. Doch Corpsstudent war er ohne Zweifel (Ob CK oder Corpsbursch, kann nicht sicher festgestellt werden). Und was für einer. Einer, der wegen eines typisch corpsstudentischen „Delikts“ – natürlich handelte es sich um ein Duell – im Wintersemester 1820/1821 die Universität Göttingen verlassen mußte. Dafür hat er sich gerächt. Mit seinem trefflichen Bonmot (in der „Harzreise“), wonach Göttingen wegen – man beachte die Reihenfolge – „Würsten und Professoren berühmt“ sei. Nicht gerächt hat er sich an seinen vormaligen Göttinger Corpsbrüdern. Im Gegenteil. Sie hat er in „Deutschland. Ein Wintermärchen“ berühmt gemacht. Weltweit und zum unverkennbaren Ärger von griesgrämigen Germanisten, die den Corpsstudenten Heine nicht kennen und auch nicht kennen wollen. Wie kam es zu Heines Hymne auf die Corpsstudenten? Heine reist im November 1843 von Paris nach Hamburg. In Unna – das ist zwar nicht wegen seiner Würste und Professoren berühmt, so doch bekannt, weil hier die ICE-Züge von Berlin nach Köln entkoppelt werden – kehrt er in einem Wirtshaus ein. Dort schenkt ihm ein „hübsches Mädchen“ mit Loreley-„Lockenhaar“ wie „gelbe seide“ den „Punsche“ ein. Ihren „lispelnden westfälischen Akzent“ vernimmt Heine, der alte Schwerenöter, mit „Wollust“. Doch sonst tut sich offensichtlich nichts. Statt dessen gedenkt er der „lieben Brüder“. Gemeint sind die vom Corps Guestphalia Göttingen. Mit ihnen hat er „getrunken, bis wir gerührt einander ans Herz und unter die Tische gesunken“. An sie richtet er folgende – wie soll man sagen – Liebeserklärung: „Ich habe sie immer so lieb gehabt,/Die lieben, guten Westfalen“ und zitiert aus dem Gedächtnis und etwas frei eine Zeile aus dem Farbenlied der Westfalen: „Ein Volk so fest, so sicher, so treu/Ganz ohne Gleißen und Prahlen.“ Und dann kommt die corpsstudentische Hymne: „Wie standen sie prächtig auf der Mensur mit ihren Löwenherzen! Es fielen so grade, so ehrlich gemeint, die Quarten und die Terzen. Sie fechten gut, sie trinken gut, und wenn sie die Hand dir reichen zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie: Sind sentimentale Eichen.“ Man kann ganze Kommersbücher wälzen, langweilige Stiftungsfestreden anhören und die „Corps-Bunte“ lesen – ein besseres und schöneres corpsstudentisches Bekenntnis wird man nicht finden. Heine war wirklich einer von uns. Doch sind wir, wir Corpsstudenten seiner würdig gewesen? Da sind wohl einige Zweifel angebracht. Heine hat uns im unmittelbaren Anschluß an die zitierten Verse gemahnt: „Bewahr dich vor Krieg und Ruhm, /Vor Helden und Heldentaten.“ Doch wir haben „Krieg und Ruhm“ gesucht und „Helden und Heldentaten“ verherrlicht. Von Schlimmerem ganz zu schweigen. Zwar nicht alle, aber viele Corps haben sich in der NSZeit von ihren „jüdischen“ und „jüdisch versippten“ Corpsbrüdern getrennt. Dies hätten sie wohl auch mit Heine gemacht, wenn er noch gelebt hätte. Seine Bücher wurden am 10. Mai 1933 verbrannt und sein Name aus dem Loreley-Lied getilgt. Die Corpsstudenten (und die Deutschen generell) haben es wirklich nicht immer gut mit Heinrich Heine gemeint. Doch vergessen war er nie. Auch nicht in meinem Bund, der Hildeso-Guestphalia, die sich im Hinblick auf ihre Tradition (aber nicht das Gründungsdatum) immer auf Heines Guestphalia berufen hat. Einige meiner jüngeren Corpsbrüder haben dies auch auf der „homepage“ (www.hildesoguestphalia. de) mit den Worten getan: „Bei uns würgte schon Heine“. Ob Heine das lustig gefunden hätte, weiß ich wirklich nicht. Was ich weiß ist, daß Heine wirklich einer von uns war. Wir sollten seiner gedenken und ihm symbolisch „die Hand reichen zum Freundschaftsbündnis“. Doch dies ist wohl nur was für „sentimentale Eichen“. Wippermann Hildeso-Guestphaliae, Vandaliae Rostock |