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Hochschule im 21. Jahrhundert / Schluß

Von Professor Dr.-Ing. Harald Ortwig Marko-Guestphaliae, Marchiae Brünn zu Trier

 

Fortsetzung von CORPS 1 / 2003

 

Habilitation

Mit Einführung der Juniorprofessur wird die Habilitation entbehrlich. Die Habilitation als Prüfungs- und Lizensierungsverfahren steht der gewollten, größeren Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit des wissenschaftlichen Nachwuchses entgegen. Mit dem Verzicht auf die Habilitation soll der Wissenschaftsstandort Deutschland im Wettbewerb um die besten Nachwuchswissenschaftler international konkurrenzfähiger werden.

 

Bewertung der individuellen Leistung

Die qualitative Bewertung individueller Leistungen ist auch bei Professoren nichts völlig Neues. Sie erfolgt heute schon im Rahmen von Berufungsverfahren, bei Bleibeverhandlungen, bei der Erneuerung befristeter Ausstattungszusagen, bei der Lehrevaluation durch Studierende sowie vielfach bei der Bewilligung von Drittmitteln im Bereich der Forschung.

 

Die im Rahmen der leistungsorientierten Hochschulfinanzierung, der fächerbezogenen Evaluation von Forschung und Lehre sowie von Zielvereinbarungen im Hochschulbereich bisher angewandten Kriterien können grundsätzlich auch im Zusammenhang mit der Bewertung individueller Leistungen im Rahmen gesonderter Evaluationsverfahren herangezogen werden. Als geeignete Kriterienfelder haben sich hier beispielsweise bewährt: Lehrleistungen. Drittmitteleinwerbung. Publikationen. Internationales Eingebundensein. Wissenstransfer und Weiterbildungsengagement. Kooperationsbereitschaft gegenüber anderen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft.

 

Fazit

Es bahnen sich grundlegende Änderungen in der Hochschullandschaft an. Neben den geplanten Reformen der Personalstruktur wird es insbesondere auch weitreichende Neuordnungen bei Studiengängen, -abläufen und -abschlüssen geben. Die in den vergangenen Jahren zunehmend zu beobachtende Differenzierung der Studieninhalte und -fächer wird einhergehen mit einer immer stärkeren Modularisierung und Internationalisierung von Studiengängen, deren Module mittels eines international gültigen Kreditierungssystems über die Grenzen von Studienfächern, Fachbereichen, Hochschulen und Ländern hinweg anerkannt und somit zum Aufbau ganz individueller Berufsqualifizierungen genutzt werden können. Neben den klassischen deutschen Universitäts- oder Fachhochschulgraden wird es auch das angelsächsische System der Qualifizierung über Bachelor-, Master- und PhD Abschlüsse geben. Ergänzend/ersetzend sind Qualifizierungen und Abschlüsse, die mit einer berufspraktischen Tätigkeit einher gehen bzw. nebenher erworben werden. Beispiele sind hier die Berufsakademien sowie Fernstudien und berufsintegrierende Studiengänge.

 

Der zahlenmäßige Anteil des klassischen Typus von Vollzeitstudent, der neben dem Studium ausreichend Zeit und Raum zur Persönlichkeitsentfaltung hat, wird sich also verringern. Wir als Corpsstudenten sollten diese Entwicklungen nicht an uns vorüber ziehen lassen, sondern frühzeitig Konzepte und Strategien entwickeln, die es uns ermöglichen, trotz der sich dramatisch ändernden Rahmenbedingungen im Hochschulbereich junge Leute in unsere Strukturen, die zweifelsohne angepaßt werden müssen, zu integrieren.

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