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Von der Gewerbeschule zur High-Tech-Schmiede – Zukunft aus der TraditionDie Gründung der "Vereinigten Real- und Gewerbeschule" in Stuttgart im Jahr 1829 war eines der Ereignisse, das den Beginn des industriellen Zeitalters in Württemberg markierte; man folgte damit dem Vorbild ähnlicher Institutionen in Karlsruhe (1825), Berlin (1821) oder Paris (1794). Der Lehrplan sah nicht nur eine handwerkliche, sondern eine übergreifende, auch theoretisch orientierte Ausbildung vor. Diese Konzeption eines allgemeinbildenden, über rein technisches Fachwissen hinausgreifenden Studiums ist auch heute noch gültig. Nach der Reform von 1862 bildeten vier Fachschulen für Architektur, Ingenieurwesen, Maschinenbau und chemische Technik den Grundstock der späteren Hochschule. Mit dem Neubau Josef Egles von 1864 erhielt die inzwischen aus allen Nähten platzende Polytechnische Schule eine repräsentative Unterkunft. In dem nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Anbau Alexander Tritschlers ist heute das Rektoramt untergebracht. Die neuen Lehr- und Forschungseinrichtungen zogen angesehene Gelehrte an: unter anderen Paul Zech (Physik), Wilhelm Ahles (Botanik), Wilhelm Lübke (Kunstgeschichte), Friedrich Theodor Vischer (Deutsche Literatur und Ästhetik) und Karl Julius von Bach (Maschinenbau). Durch diese weit über die Grenzen Württembergs hinaus bekannten Wissenschaftler gewann die Polytechnische Schule in Stuttgart hohen gesellschaftlichen und wirtschaftspolitischen Stellenwert. Nachdem 1882 die Elektrotechnik als neues Fach eingeführt worden war, folgte 1910/11 eine Professur für Luftschifffahrt, Flug- und Kraftfahrzeugtechnik. 1923 wurde die „Vereinigung von Freunden der Technischen Hochschule“ gegründet, die sich unter ihrem langjährigen Vorsitzenden Robert Bosch (1923–1936) intensiv für die finanzielle Förderung der TH engagierte. Die nationalsozialistische Machtergreifung blieb auch für die TH nicht ohne Folgen: im November 1933 wurde an der Hochschule das "Führerprinzip" eingeführt. Hochschulmitglieder jüdischer Herkunft wurden entlassen, unter anderen die Professoren Immanuel Herrmann (Elektrotechnik), Julius Baum (Kunstgeschichte) und Erich Regener (Physik). Der Chemiker Julius Schmidt beging 1933 Selbstmord. Der Bibliotheksdirektor Ernst Marx wurde pensioniert; der Physiker Peter Paul Ewald trat 1933 als Rektor zurück, 1937 gab er seine Professur auf und emigrierte. Wieviele Studenten relegiert wurden, ist unbekannt. Ab 1933 gingen die Studentenzahlen aufgrund der wissenschafts- und hochschulfeindlichen Politik der Nationalsozialisten zurück. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs mussten sich die Institute auf Aufgaben der Kriegs- und Rüstungswirtschaft konzentrieren. Im Juli 1944 wurden durch Luftangriffe fast alle Gebäude der Hochschule zerstört. Im Juni 1945 begann der Wiederaufbau. Im Februar 1946 konnte der Lehrbetrieb mit damals 1984 Studenten, die alle beim Wiederaufbau mithelfen mussten, aufgenommen werden. Der rasch wachsenden TH wurde es in der Stadtmitte bald zu eng. Mitte der 50er Jahre begann der Ausbau des Campus im Vaihinger Pfaffenwald. Dennoch hat die Universität bis heute mit Raumnot zu kämpfen. Am 4. Juli 1967 wurde die TH auf ihren Antrag in „Universität Stuttgart“ umbenannt. Den Schwerpunkt bildeten jedoch weiterhin die technischen Wissenschaften. Die innere Struktur der Universität erfuhr zwischen 1968 und 1988 einen mehrfachen Wandel: aus den 1941 gebildeten drei Fakultäten (Naturwissenschaft und Ergänzungsfächer, Architektur und Bauingenieurwesen, Maschinenwesen) wurden 18 bzw. 19 Fachbereiche; seit 1988 ist die Universität in 14 Fakultäten gegliedert. |