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Von Hans-Jürgen Hohenstein Saxoniae Kiel, Franconiae Tübingen
Vom Kösener 2002 habe ich gute und weniger gute Eindrücke mitgenommen.
Auch wenn die gutenbei weitem überwiegen und wir hoffen dürfen, auf dem richtigen Weg zu sein, sollten wir nicht einhalten in unserem Bestreben, alle Auftritte, interne und externe, so zu gestalten, wie es unserem eigenen Anspruch Beteiligung bleiben viele Stühle unbesetzt. Viele ziehen das kurze Gespräch in wechselnden Gruppen vor und drängen sich bevorzugt im Hof und an den Engstellen. Ich fürchte, dass das irgendwie mit der Bindungsscheu und Unverbindlichkeit verwandt ist, deren Verbreitung unsere Nachwuchslage so schwierig macht. Nach einem entspricht und unserem Ruf dienlich ist.
Beim Farbenabend herrschen Harmonie und Fröhlichkeit, keine Spur von Gelagen vor der Rudelsburg. Trotz großer Bierjungen fliegt ein Glas zu Boden. Erst als ein eigener Alter Herr erscheint, bequemt man sich, die Scherben wegzuräumen. Ein junger Corpsstudent schnappt sich ein „kurzfristig herrenloses“ leeres Glas vom Tisch und verschwindet schnell in der Menge. Mit dem Pfand fürs fremde Glas hat er sich ein Freibier ergattert. Was gestern noch schofel war, kann heute schon clever sein.
Auf dem oAT wird lange diskutiert, bis 20.45 Uhr. Die Kosten sind zu hoch, aber der oAT selbst hat die teuren Maßnahmen im vorigen Jahr beschlossen. Der Plan, eine Geschäftsstelle einzurichten, wird bis zur Peinlichkeit breitgetreten.
Der oKC verläuft recht zügig. Nach Jahren des Sträubens wird endlich die Veranstaltungsordnung angemessen ergänzt. Einige Grundsatzbeschlüsse werden in die Statuten aufgenommen, darunter leider auch ein gänzlich überholter mit unverändert mangelhafter Formulierung. Danach sollen AHV suspendierter Corps weiterhin unter bestimmten Voraussetzungen zur Bandverleihung berechtigt sein. Bei der Diskussion über „deutschsprachige Hochschulen“ in der Präambel der Statuten springt ein munterer Aktiver auf, ruft: „Hoch, mein Vaterland!“ und wird für die Störung gerügt.
In Bad Kösen begegnet man natürlich immer wieder fremden Corpsstudenten. Die Älteren grüßen einander höflich und ziehen die Mütze. Schon seit Jahren ist das bei Jüngeren eher selten. Eine Zeitlang hielt ich es mit „Felix Schnabel“, der in der Festungshaft die Strafgefangenen stets zuerst grüßte, weil er jedenfalls höflicher sein wollte als diese groben Klötze. Aber wenn nichts als höchstens ein müdes Kopfnicken mit festgewachsener Mütze zurückkommt, fragt man sich, welchen Eindruck unser Umgang miteinander auf Außenstehende macht. Dieselbe Skepsis kommt beim Anblick solcher Corpsstudenten auf, die den Kösener offensichtlich mit einem Abenteuerspielplatz verwechseln und kurze Hosen mit heraushängendem Hemd tragen, die Kleidung des letzten Tages eines befreienden Jugendzeltlager, dazu das Band, die Mütze vielleicht, manchmal sogar eine Baseballkappe, und am besten eine schmuddelige Kneipjacke.
Für das „freie Trinken“, ohne das diese Tage natürlich viel an Reiz verlören, ist erstmals auf der kleinen Radinsel am Wehr ein Biergarten eingerichtet worden, zentrale Lage, öffentlich zwar, aber doch etwas abseits vom Fußgängerstrom. Diese wunderbare Idee findet großen Anklang, so dass es auf dem Platz vor dem „Kaffee Schoppe“ ruhig bleibt. Allerdings sollte man den Wirt nicht prellen, indem man sein eigenes Oettinger oder anderes leckeres Bier einschleppt.
Zur Totenehrung kreisen beide Gedenkreden ganz wesentlich um die Namen jüngst Verstorbener. Solche Hervorhebungen bergen die Gefahr einer zweifelhaften oder ungerechten Gewichtung. In der Tat hört man später fragen, warum ein anderer verdienter Corpsstudent nur beiläufig erwähnt worden sei. In die Stille der Feier hinein klingelt ein Handy, wichtiger Anruf für einen wichtigen Corpsstudenten.
Am Abend ist Kommers im „Mutigen Ritter“. Die Einlassposten zur Abweisung betrunkener oder abgerissener Gestalten haben wenig zu tun. Einige Witzbolde spielen an Licht- und Vorhangschaltern und wundern sich, dass sie hinausgewiesen werden.
Zu Pfingsten wehen auf der Rudelsburg keine Fahnen mehr, die seien „mitgenommen“ worden, nein, nicht vom Vorort. Bei dem geht alsbald ein Anruf aus Berlin ein, man könne die Fahnen dort abholen, sie sollten mit Bier „herausgepaukt“ werden. Damit war es dann leider doch noch zu einer gravierenden Entgleisung gekommen. |
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