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Leoben

Die Stadt der MontanUniversität - Leoben ist heute die zweitgrößte Stadt des Bundes­landes Steiermark und der Hauptort des nördlichen Landesteiles, der als Obersteiermark vom Mur-und Mürztal nordwärts bis an die Grenzen gegen Nieder­österreich, Oberösterreich und Salzburg hin reicht. Seit 1939 besieht der Raum Groß-Leoben als Zusam­menschluß der beiden Stadtgemeinden Leobcn und Donawitz, sowie der Marktgemeinde Göß, des älte­sten historisch bezeugten Stadtteiles. Hier schenkte der letzte Herrscher aus karolingischem Geblüt, König Ludwig das Kind, im Jahre 904 große Besitzungen an den Gaugrafen Aribo, dessen Nachfahren dann kurz vor 1020 das Nonnenstift Goß als ältestes Kloster des Landes gründeten.

Die heule wichtige Stellung der Stadt wird aus vielen Ursachen heraus verständlich. Bezeichnete der alte Name Liupina in der Urkunde von 904 noch das gan­ze Tal des Vordernbergerbaches, so ging er später auf eine kleine Siedlung über, die sich an der Mur unter dem Massenberg im Süden der heutigen Stadt hin­schmiegte. In diesem kleinen „forum Liuben“ hielt sich im 13. Jahrhundert der berühmte steirische Min­nesänger Ulrich von Liechtenstein auf, als er auf sei­ner bekannten Turnierfahrt auch die Steiermark durchzog.

Schon im Hochmittelalter wird Leoben als Eisenort genannt, eine Stellung, die es seiner Nähe zum Gebiet um den Steirischen Erzberg mit seinen Bergwerken und Schmelzhütten, aber auch seiner Lage an einem wichtigen Land- und Flußverkehrsweg verdankt. Die Siedlung tritt kurz nach 1262 in das hellere Licht der Geschichte. Damals erfolgte die Neugründung des Ortes durch den damaligen st einsehen Herzog, König Ottokar II. von Böhmen, der Leoben nach Norden hin in die Murschleife verlegte, planmäßig erbaute und befestigte, sodaß die Alt-Stadt heute noch als das reifste Beispiel einer durchdacht konzipierten mittel­alterlichen Siedlung in unserem Lande gilt. Im 14. Jahrhundert wurde Leoben zum führenden Eisenhandelszentrum der Südostalpenländer. 1314 verbietet Herzog Friedrich der Schöne den Gewerken der ebenfalls bedeutenden Eisenorte Trofaiach und Vordernberg den Handel mit Roheisen unter Um­gehung der Stadt Leoben, die ihr Stadtrecht gegen Ende des 13. Jahrhunderts erhalten haben dürfte. Der Ort gilt von nun als „Rauheisenverlagsort“ und erlangt alle Privilegien, die den nun folgenden steilen wirt­schaftlichen Aufstieg verständlich machen. Langsam ging der Eisenhandel immer mehr in die Hände der Bürgerschaft selber über. Frühkapitalistisches Denken führt zur Gründung und Bestätigung der frühesten Aktiengesellschaft in österreichischen Landen. Jeder Stadtbürger hatte die Möglichkeit, Mitglied dieser Gesellschaft zu werden und sich am gemeinsamen Eisenhandel der Bürgerschaft zu betätigen. 1439 wird dieses Recht vom Landesfürsten verbrieft. In verän­derter Form besteht diese Gesellschaft heute noch. In der frühen Neuzeit erfolgte ein großer kultureller Aufschwung, der seinen Höhepunkt in der Tätigkeit der Leobener Jesuiten zwischen 1613 und 1773 fin­det, die hier vorerst die Rekatholisierung vollenden. dann durch Kolleg und Gymnasium einen tiefgreifen- den geistigen Einfluß auf Eisenadel und Bürgertum gewinnen. Wissenschaften und Künste blühen in der Stadt. 1660-1665 ersteht die gewaltige Ordenskirche St. Xaver mit ihrer herrlichen Ausstattung. Theater und Kirchenmusik finden hier vorrangige Förderung und Pflege.

Als Wirtschaftskörper in der unmittelbaren Nähe der Stadt, aber auch als Pflegstätte geistiger und materiel­ler Kultur wirkte das Benediktinerinnenstift Göß bis zur Aufhebung 1782. Bis 1800 residiert auch ein Bi­schof, Franz Joseph Alexander Engel von Wagrain, als Haupt der kurzlebigen josephinischen Diözese Leoben im altehrwürdigen Stift. 1797 handelt in dessen Resi­denz Napoleon mit österreichischen Diplomaten den ‚Vorfrieden von Leoben’ aus, der wesentliche territo­riale Veränderungen in Europa zur Folge hatte. Die Beseitigung der alten Eisenprivilegien durch Kai­ser Joseph II. hatte eine längere wirtschaftliche Stag­nation des Raumes Leoben zur Folge, die erst im 19. Jahrhundert durch die industrielle Revolution ein Ende fand. Der Anschluß an das Eisenbahnnetz 1868 brachte dann die letzten Voraussetzungen zur Schaf­fung der Donawitzer Industriezone, in der 1881 durch Zusammenlegung verschiedener Eisen- und Stahlwerke, sowie durch die Miteinbeziehung der Leoben-Seegrabener Kohlenbergwerke die Österrei­chische Alpine Montan-Gesellschaft entstand. Die wissenschaftlich-montanistischen Grundlagen für die­se Schwerindustrie, die die heutige gesamtösterreichi­sche Wirtschaft wesentlich mitbestimmt, wurden schon im 19. Jahrhundert durch die Gründung der Leobener Bergakademie, der heutigen Montanuniver­sität, mitgeschaffen.

Heute offenbart sich Leoben als eine moderne Stadt, deren historische Wurzeln jedoch noch allenthalben offen zutage treten.

 

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