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PRESSE-SPIEGELDie "Ostthüringer Zeitung" schreibt in der Ausgabe vom 24. Juni 2002 unter der Überschrift: " Rudolstadt dreht die Köpfe nach gemützten Herren":
Rudolstadt (OTZ/Korr.) Rudolstadt dreht die Köpfe und wundert sich. Die Cafes und Restaurants der Innenstadt sind voll besetzt. Eine Menge blau bemützter Männer sitzt vor diesen. Vertreten ist jede Altersklasse. Es sind die Mitglieder des "Blauen Kartells". Seit Donnerstag gastierten sie in der Heidecksburgstadt, weil hier ihre Wurzeln sind. Die Männer der Studentenbewegung zeigen sich selbstbewusst, zeigen stolz ihre unterschiedlich blauen Mützen, tragen Schärpen, manche auch Orden. In Rudolstadt sagen sie, sind ihre Wurzeln. Hier trafen sich seit ihrer Gründung die unterschiedlichen Corps der Vereinigung, aus dem schlichten Grund der zentralen Lage. "Wir fühlen uns mit dieser Stadt verbunden", meint Dr. Rudolf Miller, Vorsitzender von Saxo-Thuringia. Das 1883 gegründete "Blaue Kartell" brachte 180 Mitglieder mit zum ersten Treffen nach der Wende in Rudolstadt. Vor allem standen dabei gesellige Motive im Vordergrund. So saß man oft zusammen, unterhielt sich und brachte ganz nebenbei Leben in die Innenstadt. Zum geführten Stadtrundgang der Mitglieder zog es am Freitag zumeist Frauen. Denn parallel kickte die Deutsche Elf, das ließen sich die Männer nicht entgehen. Doch aus fußballerischem Anlass wollten die Kartell-Verantwortlichen den Spaziergang durch die Heidecksburgstadt nicht verlegen. Unglücklich fanden die Organisatoren stattdessen die Wahl eines Festsaals in Bodewitz. In Rudolstadt fand man nicht die passende Lokalität. Auch gab es kein Hotel in dem alle Mitglieder Platz gefunden hätten. Das Familienzentrum in der Schillerstraße konnte die Alt- und Jungstudenten wegen der Ferienzeit nicht aufnehmen. Das Blaue Kartell ist um seinen Ruf bemüht. "Wir sind keine Burschenschaft", betont Dr. Rudolf Miller oft. Ihre Vereinigung sei liberal. Man nehme jeden auf, egal welche Religion oder Herkunft er hat. Dennoch: Frauen gehören nicht dazu.
Martin Gerlach
Die Siegener Zeitung schreibt in der Ausgabe vom 31. Oktober 2002 unter der Überschrift: "Alte Herren trafen sich. Jedes Jahr ist Waffenkommers/Immer ein aktuelles Thema"
js Siegen. Auch wenn das Siegerland nicht mit einer "traditionellen" Universität aufwarten kann, so ist doch eine Tradition auch hierzulande: Die Alt-Herren-Verbände des Coburger Convents (VAAC), der Deutschen Burschenschaft (VAB) und der Studentencorps (AHSC) treffen sich zum Waffenringkommers. "Unsere Verbände wechseln sich mit der Organisation dieser Treffen ab," erläuterte Dieter Reinhardt gegenüber der SZ. Reinhardt ist der Vorsitzende der VACC zu Siegen und hatte in diesem Jahr den Vorsitz über den Kommers. Rund 60 ehemalige Verbindungsstudenten kamen deshalb jetzt im Haus der Siegerländer Wirtschaft zusammen, um sich gemeinsamer Stunden zu erinnern, aber auch, um aktuelle Themen zu diskutieren. "In jedem Jahr haben wir einen Redner, der zu einem bestimmten Aspekt von allgemeinem Interesse einen Vortrag hält," erläuterte VACC-Schriftführer Hans-Joachim Henke. Dieses Mal drehte sich alles um die Schulpolitik, die Festredner Ulrich Karl ein besonderes Anliegen war. Gesellschaftspolitik und Gymnasium - Versuch einer Analyse aus Sicht eines pensionierten Praktikers" war der Titel des Referats, das so manche Diskussion unter den Zuhörern entfachte. Ulrich Karl, pensionierter Studiendirektor des Allenbacher Gymnasiums Stift Keppel, schilderte seine ganz persönliche, betont subjektive Sicht auf den Wandel der Schulpolitik seit den 50er Jahren. "Ich habe als Schüler des Städtischen Gymnasiums Siegen und im Anschluss in meinen 36 Dienstjahren die inhaltliche und strukturelle Entwicklung des nordrheinwestfälischen Gymnasiums miterlebt," führte der Pädagoge an. Er begreife das für Deutschland niederschmetternde Ergebnis der schulformübergreifenden PISA-Studie auch als Symptom einer Negativentwicklung im gymnasialen Bereich. "Ich bringe kein Verständnis für den Slogan ,Masse statt Klasse' hinsichtlich der ,Produktion' von Abiturienten auf." Wenn Chancengleichheit auf Kosten des Niveaus erreicht werden solle, sei dies der falsche Weg. Karl: "Ich glaube, dass dem Gymnasium unter anderem die Aufgabe der Elitebildung zurück gegeben werden muss, so wie dies ursprünglich der Fall war. Nach PISA sei die Hoffnung auf eine nachhaltige Reform der Reformen wieder begründet. "Das kann auch die Entwicklung des Gymnasiums wieder beflügeln."
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