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PressespiegelDie „Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt in der Ausgabe vom 14. März 2005 unter der Überschrift: „Ein Einzelgänger gegen Hitler. Vor hundert Jahren wurde der Widerständler Nikolaus von Halem geboren/von Robert von Lucius."„Berlin, 14. März. Die Attentäter des 20. Juli, des Kreisauers Kreises, der kommunistische Widerstand gegen Hitler sind weithin gegenwärtig. Daneben aber gab es Einzelgänger, die Hitler schon früh zu stürzen versuchten. Zu ihnen zählte Nikolaus von Halem, der an diesem Dienstag vor hundert Jahren geboren wurde. Er wurde verraten und 1944, zweieinhalb Jahre nach seiner Festnahme, nachdem er in zehn Haftanstalten und Konzentrationslagern gesessen hatte, durch den Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das lange Zögern vor der Verurteilung durch den Volksgerichtshofpräsidenten Roland Freisler wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung war offenbar in der schwachen Beweislage begründet: Halem wie auch seine Freunde wußten für alle Vorwürfe eine glaubhafte Ausrede und schwiegen auch unter der Folter. Viele sahen in dem gebildeten und energiegeladenen Landratssohn aus Ostfriesland den Mittelpunkt der nationalkonservativen Verschwörung. Aber nicht einmal, ob seine Ziele nationalkonservativ waren, ist zweifelsfrei geklärt: Der Freigeist, der als Jugendlicher zu ausschweifendem Leben neigte, wollte sich nicht auf feste Denkmuster einengen lassen. Er hielt Kontakt zu Anhängern des Ständestaates ebenso wie zu Kommunisten. Schon früh brach er – wie der verstorbene frühere Staatssekretär Klaus von der Groeben in einer Halem Biographie schrieb – mit konventionellen Strukturen und der Gesellschaft, in der er aufwuchs, und suchte Kontakt zu Künstlern wie auch zu linken und rechten Weltverbesserern. Er sammelte Zweifler und Gegner Hitlers um sich und unterstützte sie. Schon vor der Machtergreifung 1933 begann er, Menschen zum Aufstand gegen Hitler zu bewegen, den er als „Boten der Hölle" erkannte. Er brach, obwohl er als herausragender Jurist galt, im Sommer 1933 den Referendardienst ab, weil er nicht den Eid auf den Reichskanzler leisten wollte. Halem ging in die Industrie und hielt Kontakt zum damaligen Deutschland-Korrespondenten der „Times", der im Berliner HansaViertel sein Nachbar war. Als dieser nach Moskau versetzt wurde, wagte er eine Reise dorthin, um ihn und damit andere vor dem Krieg zu warnen, der nach seiner Überzeugung bevorstand. Auf anderen Auslandsreisen nach Schweden, Frankreich und Italien knüpfte er Kontakte zu Gegnern des Nationalsozialismus und informierte seine Gesprächspartner über die wirkliche Lage und die Bereitschaft zum Widerstand. Seine gewinnende Art half ihm dabei ebenso wie sein Mut. Zudem hielt er vor 1938 engen Kontakt zu österreichischen Hitler-Gegnern, nicht zuletzt im Wissen, daß der „Anschluß" den Widerstand auch in Berlin stärken werde. Zu Halems Vertrauten zählte Fabian von Schlabrendorff. Ihm und anderen trug er im Januar 1941 vor, daß es nur eine Lösung geben könne: die Tötung Hitlers. Er warb den nationalbolschewistischen ehemaligen Freikorps-Führer Joseph Römer, der Haß auf Hitler und Härte vereinte, zum Anschlag an und verschaffte ihm eine Scheinanstellung bei dem Familienkonzern der ihm vertrauten schlesischen Grafen Ballestrem. Wie weit die Vorbereitungen auf den Anschlag gerieten, ist nicht gesichert. Alles lief ohne Schriftstücke und im kleinsten Kreis. Römer wurde verraten – von wem, ist ungeklärt. Offenbar unter der Folter gab er die Namen Halems und des früheren Diplomaten Herbert Mumm von Schwarzenstein bekannt, die dann verhaftet wurden; Schwarzenstein wurde am 16. Juni 1944 vor dem Volksgerichtshof wegen Vorbereitung des Hochverrats zum Tode verurteilt und am 20. April 1945 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet. Halem war ein Einzelgänger. Bemerkenswert ist das schon deshalb, weil er aktiv war im Corps Saxo-Borussia in Heidelberg: Mehrere der Männer, die am 20. Juli beteiligt waren, wie Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, Adam Trott zu Solz, Peter Graf von Yorck und Albrecht von Hagen kamen aus diesem und zwei befreundeten Corps des „weißen Kreises" in Bonn und Göttingen. Halem aber ging unabhängig von diesen Vertrauten vor, obwohl er auch Haus und Büro mit einigen von ihnen teilte. Auch vor seiner Ehefrau hielt Nikolaus von Halem das meiste verborgen, um sie zu schützen. Seine beiden Söhne sollten aber später wissen, schrieb er vor seiner Hinrichtung, daß ihr Vater ein Vorbild ehrenhaften Verhaltens gewesen sei, der Anstand und Gerechtigkeit zur Geltung bringen wollte." |