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Pressespiegel

„Spiegel online – Unispiegel“ schreibt in der Ausgabe vom 24. Mai 2005 unter der Überschrift: „Burschenschaften in Osteuropa. Polnisches Bier unter deutscher Flagge/von Greta Taubert.“ „Sie singen deutsche Volkslieder und wollen doch mit übertriebener Deutschtümelei nichts zu tun haben. In Osteuropa werden Studentenverbindungen populär - tradtionsbewusst, aber ohne Säbelrasseln und mit Frauen in ihren Reihen. Auf dem Tisch liegen vier Degen neben Kerzen mit Kunstblumenkranz. Wachstuchdecken auf den Tischen sollen eventuelle Feierspuren des Abends vom Holztisch fernhalten. Auf mehreren Kästen des polnischen Bieres „Zywiec“ liegt die deutsche Nationalflagge. Roman Prusko hängt sie neben die polnische Fahne und die blau-gelbschwarze Verbindungsflagge. Der Bauingenieurstudent macht die Studentenkneipe des Vereins Deutscher Hochschüler (VDH) im polnischen Oppeln für den Betrieb bereit. Noch schleppt er im roten Wollpullover Stühle, aber bald wird er in einer schwarzen Paradejacke die Veranstaltung mit „Vivat Circulus Fratrum“ eröffnen - es lebe der Kreis der Brüder. Überall in Osteuropa entstehen seit einiger Zeit Ableger deutscher Studentenverbindungen. Zum Beispiel in Ungarn: Vor fünf Monaten gründeten Studenten aus Budapest einen Verein Deutscher Hochschüler, um zu bekennen, dass sie „sich ihrer Identität als Deutsche bewusst“ sind. Die Deutschen „leben zwar in unterschiedlichen Staaten, gehören aber einem gemeinsamen Kulturvolk an“, heißt es in der Satzung. Während in Deutschland mehrere sehr rechte Verbindungen vom Verfassungsschutz beobachtet werden, widmen sich die Burschenschaftler in Osteuropa vor allem dem Brauchtum. Roman nennt Schlesien seine Heimat, deutsche Verbindungen seien ein Stück schlesischer Geschichte. Auf ihren Verbindungstreffen singen die Burschenschaftler deutsche Volkslieder und diskutieren über deutsche Politik. In Oppeln liegen die Degen ruhig auf der Wachstischdecke – von Säbelrasseln keine Spur. Eine junge Frau stimmt immer wieder neue Lieder an. Energisch und laut übertönt sie die allgemeinen Biergespräche. „Ich kann hier deutsche Lieder singen, und die anderen lachen mich nicht aus, sondern machen mit“, begründet Sylwia Michalla ihren Enthusiasmus. „Ich habe hier gelernt, mich zu meiner deutschen Abstammung zu bekennen und mich nicht dafür zu schämen.“ Tatsächlich stehen viele Osteuropäer der Volkstümelei skeptisch gegenüber. Die Mitglieder der Tschechisch- Deutschen Verbindung Pragensis in Prag würden beim Schmettern ihrer Hymne in der Kneipe schon einmal schief angeschaut, erzählt der Vorsitzende Jacub Charvat: „Es ist keine Ablehnung, aber die meisten Leute wissen einfach nicht, was es heißt, Farben zutragen."

Aber was heißt es? Die Studentenverbindungen in Osteuropa sind vor allem ein Ort, wo man deutsch spricht. Im Unterschied zu bundesdeutschen Verbindungen pochen die Burschenschaftler nicht auf alte Verbindungsprinzipien, die nur Männer als Mitglieder zulassen. Frauen sind im Gegenteil erwünscht – und das schon aus Tradition seit den zwanziger Jahren. Nicht, dass die Emanzipation hier schneller war als anderswo: Die Minderheiten waren in der Vergangenheit zahlenmäßig stets zu klein, um 50 Prozent der möglichen Mitglieder aus Prinzip zu verschmähen. „Jetzt braucht man uns noch mehr“, sagt Sylwia Michalla. Oft sind es jetzt nämlich Frauen, die den Degen führen. Im neu gegründeten VDH Budapest ist der ganze Vorstand weiblich, in Ratibor ebenso, und in Oppeln immerhin zur Hälfte. Reine Saufgelage gibt es mit den Bundesschwestern nicht. „Ich bin aus reiner Überzeugung hier, mir geht es um die deutsche Minderheit.“ Wer so denkt, darf rein in die Verbindung. Da spielt das Geschlecht keine Rolle – und erstaunlicherweise auch nicht die Nationalität. Bei der Pragensis und dem VDH Oppeln muss niemand einen deutschen Stammbaum mitbringen. Deutschkenntnisse und eine bestandene mündliche Aufnahmeprüfung reichen aus. „Sie wollen hier meistens ihre Sprachkenntnisse verbessern“, sagt Roman. Er hebt seinen Steinkrug voll Bier und sagt in Richtung eines polnischen Mitglieds „Na zdrowie“. Der grinst, hebt an und kontert mit "Prost".

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