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Spass haben und Erfolg
von Jochen Köhler Die Förderung wissenschaftlicher Leistungen ist seit jeher Anliegen der Corps. Mitte der 60er Jahre beschloß der Verband Alter Corpsstudenten, der Zusammenschluß der Alten Herren der Kösener Corps, einen Wissenschaftspreis auszuloben. Dieser mit 1.000 DM dotierte Preis wurde in den Folgejahren einige Male verliehen. Nach der Gründung eines eigenen Vereines im Jahre 1986, dem „Stifterverein Alter Corpsstudenten e. V", konnte die Honorierung besonderer Leistungen junger Corpsstudenten auf eine breitere Basis gestellt werden. Seither fördert und unterstützt der Stifterverein, dem 1991 auch der Weinheimer Verband Alter Corpsstudenten beitrat, begabte junge Akademiker bei ihren wissenschaftlichen Vorhaben und in ihrem sozialen Engagement. Für hervorragende wissenschaftliche Leistungen und herausragenden Einsatz in der Corpsgemeinschaft zeichnet er junge Corpsstudenten mit der „von-Klinggräff-Medaille" aus. Diese mit einem Geldpreis von 5.000 DM verbundene Auszeichnung ist nach dem Begründer des KSCV, Friedrich von Klinggräff, benannt. Dieser Senior der Heidelberger Vandalen initiierte am 15. Juli 1848 die Versammlung von Corps aus elf Universitätsstädten, die dann zur Gründung des Kösener Verbandes führte. Ein Beirat, dem Persönlichkeiten aus Lehre und Forschung sowie Technik und Wirtschaft angehören, prüft die Unterlagen der Kandidaten und macht dem Vorstand des Stiftervereins Vorschläge, wer ausgezeichnet werden soll. Der Vorstand benennt dann vier bis sechs Preisträger, die während der Weinheim Tagung und beim Kösener Congress vorgestellt werden. Die hier ausgezeichneten jungen Corpsstudenten haben sich alle durch besondere Leistungen sowohl während ihres Studiums als auch während ihrer aktiven Zeit im Corps hervorgetan.
An zwei Beispielen sei hier aufgezeigt, daß das Aktivsein in einem Corps in keiner Weise einem überdurchschnittlichen Abschneiden in der akademischen Ausbildung entgegensteht. Der Diplom Mathematiker Jörg Richter, Jahrgang 1970, war einer der Preisträger des Jahres 1996. Während seiner aktiven Zeit bei den Corps Marchia in Berlin und Palaiomarchia in Halle, das er 1991 bei der Rückkehr an die alte Alma mater als Gründungsbursch unterstützte, beendete er sein Studium der Mathematik mit Physik als Nebenfach in elf Semestern mit der Note „sehr gut". Diese Zeit liegt deutlich unter der Regelstudienzeit. Während seiner Auslandssemester in Nantes, für die er mit dem Erasmus-Stipendium der Europäischen Union unterstützt wurde, erwarb er das von ausländischen Studenten nur sehr selten erreichte Diplome de Maitre pour Mathematique Pure. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte seine Promotion in Berlin und Amherst (MA/USA), die er 1997 mit bestmöglicher Note beendete.
Einer der sieben Preisträger des Jahres 1997 war der Dipl.-Ing. Herwig Rott, der im selben Jahr 28 Jahre alt wurde. Er gehört dem Corps Stauffia an der Universität Stuttgart an. Herwig Rott studierte Architektur. Er schloß das Studium nach 12 Semestern, also unter der Regelstudienzeit, mit der Note „sehr gut` ab. Ein Auslandsemester verbrachte er an der TH Zürich. Schon während des Studiums wurde er mehrfach als Assistent eingesetzt und gehört bereits zum engen Kreis jener, die wiederholt mit dem Deutschen Stahlbaupreis ausgezeichnet wurden. Herwig Rott war Projektleiter für acht Großobjekte, darunter das Hochhaus der RWE. Zwei seiner Arbeiten sind bei der DVA in Stuttgart erschienen. Daß Herwig Rott fließend Russisch schreibt und spricht, sei nur am Rande erwähnt. Neben seiner Studientätigkeit übernahm Herwig Rott in fünf Aktivensemestern dreimal eine Charge - also ein Amt im Corps -, half darüber hinaus fachlich bei der Renovierung des Corpshauses. Vorbildlich war auch sein Engagement als Bootswart, der die Segelaktivitäten des Corps Stauffia über mehrere Semester förderte. Beim Studium der Vitae dieser beiden Preisträger, die durch Beschreibungen der Leistungen von weiteren 52 Preisträgern ausgetauscht werden könnten, wundert es sicher den Leser, warum nicht schon früher solch überragender Einsatz honoriert worden ist. Hierzu der Vorsitzende des Stiftervereins, Dr. Fabry, Corps Hassia: „Wir Corpsstudenten haben in zwei Jahrhunderten Persönlichkeiten aufzuweisen, die Geschichte, Politik, Kunst und Wissenschaft dieser Epoche entscheidend geprägt haben. Wir sind, verbands- und erst recht corpsintern, immer stolz auf diese Corpsbrüder gewesen - sie aber groß herauszustellen, das entsprach unserer eher nach innen gewandten, spröden Art nicht. Offensichtlich hielten und halten wir es für selbstverständlich, daß Corpsstudenten gute, ja hervorragende Examina ablegen, daß sie im Beruf Besonderes leisten. ...Wenn die Universität das wissenschaftliche Rüstzeug bereitstellte, das den jungen Mann zu besonderen Leistungen befähigte, dann war es das Corps, das ihm die Erziehung in der Gemeinschaft bot, das ihm vorlebte, wie das freiwillige Sich-Einfügen, wie das Dienen den Charakter prägt. Hat der junge Corpsstudent, der überragende wissenschaftliche Leistungen aufzuweisen hat, gar mehr als üblich für sein Corps getan, hat er das Leben in dieser Gemeinschaft entscheidend mitgestaltet, war er als Aktiver Vorbild für seine Corpsbrüder, dann verdient das auch Respekt. Denn wir wissen, daß nicht nur Begabung, sondern auch harte Arbeit Voraussetzung für hervorragende Studien ist." |