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Technische Universität
Sowohl die Bau- und auch die Gewerbeakademie waren zwar höhere Bildungsanstalten, aber noch keine Hochschulen. Erst mit Gründung der Königlich Technischen Hochschule wurde eine den Universitäten gleichrangige, wissenschaftlich technische Ausbildungsstätte geschaffen. Die preußischen technischen Hochschulen - somit auch die Berliner - erhielten 1899 als erste im Deutschen Reich von Wilhelm II. das Recht zur Verleihung des Doktorgrades zugesprochen. Als erste Technische Hochschule Deutschlands bekam sie nach 1945 den Namen "Technische Universität". Der neue Name sollte nach einer unrühmlichen Rolle während der Zeit der Nationalsozialisten den Willen zu einer inhaltlichen Neubestimmung des Bildungsauftrages der Hochschule ausdrücken. Ausgefüllt wurden diese neue Programmatik durch die Einführung des "humanistischen Studiums" als Bestandteil aller Studienrichtungen. So wurden 1948 Lehrstühle für Geschichte, Literaturwissenschaft, Anthropologie und Sozialethik geschaffen. Da das humanistische Studium nicht die Erwartungen erfüllte wurde es als obligatorischer Bestandteil der Ingenieursausbildung auf Betreiben der Studierenden 1968 aufgegeben. Die Frage des Verständnisses von Gesellschaft und Technik ist aber bis heute aktuell geblieben und wird in jüngerer Zeit wieder häufiger diskutiert. Von Beginn an zeigte sich die TU Berlin für Reformen und Neuerungen aufgeschlossen. Schon im Dezember 1946 wurde hier das erste deutsche Studentenparlament gewählt. Grundlegende Veränderungen der inneren Organisation der Hochschule brachte die Reformgestzgebung Ende der 60er Jahre. An die Stelle der bisherigen neun Fakultäten traten 21 Fachbereiche, und der für eine Amtszeit von jeweils zwei Jahren gewählte Rektor mit einer auf den Bereich der "akademischen Angelegenheiten" begrenzten Zuständigkeit wurde von einem Präsidenten abgelöst, der Leiter einer Einheitsverwaltung ist. Zuständig für die akademische Selbstverwaltung wurden die einzelnen Universitätsgremien mit einer ursprünglich teilweisen viertelparitätischen Besetzung (Hochschullehrer, wissenschaftliche Mitarbeiter, Studierende, Andere Dienstkräfte).
Heute ist die TU Berlin eine der zehn größten Universitäten und gleichzeitig die größte Technische Universität in der Bundesrepublik Deutschland. Die TU Berlin hat den höchsten Anteil ausländischer Studenten/innen aller bundesdeutschen Hochschulen. Mit über 220 Ausbildungsplätzen in technisch-gewerblichen Berufen gehört sie außerdem zu den 12 größten Ausbildungsbetrieben in der Stadt. Zum Wintersemester 2002/03 sind an der TU-Berlin 30000 Studenten eingeschrieben. Ungefähr 20 Prozent davon kommen aus dem Ausland. Der Frauenanteil liegt mit 38 Prozent an der TU-Berlin sehr niedrig. In der Verbindung von Technik- und Kulturwissenschaften bietet die TU Berlin wie nur wenige andere Hochschulen ein Beispiel für die Chancen und Schwierigkeiten einer umfassenden Integration der wissenschaftlichen Potenzen der Zeit. Sie ist ein wichtiger Faktor sowohl der technisch-industriellen wie auch der kulturellen Infrastruktur von Berlin. Mit Stolz kann die TU Berlin auf ihre forschende Vergangenheit blicken. Zu den bekanntesten Forschungsergebnissen vor dem I. Weltkrieg gehören die Entwicklung der Drei-Farben-Fotografie, der Tiefdrucktechnik und des Blitzlichtes (Adolf Miethe, 1862-1927), Entwicklungen im Kraftfahrzeugbau (Alois Riedler, 1850-1936) und der Funkentelegraphie (Adolf Slaby, 1849-1913), der Lehre von der Maschinenkinematik (Franz Reuleaux, 1829-1905), der konstruktiven Durchdringung des Werkzeugmaschinenbaus und der Fabrikbetriebstechnologie (Georg Schlesinger, 1866-1949), aus der u.a. Arbeitswissenschaft und Biomedizinischen Technik hervorgingen, sowie erste Entwicklungen für die Fernsehtechnik. Später kamen Entwicklungen wie das vollautomatische Getriebe (Hermann Föttinger, 1877-1945), das Elektronenmikroskop (Ernst Ruska, 1906-1988) und die erste prozeßgesteuerte Rechenmaschine (Konrad Zuse, geb. 1910) hinzu. |