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1813 schwang sich der junge Theodor Körner in den Sattel und ritt mit dem "Freikorps Lützow" in den Krieg, um sein Volk von einem Tyrannen zu befreien. Das gelang. Vor wenigen Wochen schwangen sich Soldaten in stählernes Kriegsgerät und rückten ebenfalls aus, um einen Gewaltherrscher zu stürzen. Auch sie waren, so sieht es jedenfalls aus, erfolgreich. Vergleichbare Ereignisse?
Aber nein! Die Methoden, mit denen heute, zu Beginn des dritten Jahrtausends, Völker befreit werden, haben sich gegenüber 1813 radikal gewandelt. Gewiß, es gibt sie immer noch, jene altmodischen Völkerschaften, die die Ketten, in die man sie geschmiedet hat, selbst zerbrechen wollen. Aber davon muß dringend abgeraten werden! Denn nicht nur ihr Kerkermeister, auch die Weltöffentlichkeit hat dafür überhaupt kein Verständnis. Man wirft sie nämlich mit Terroristen in einen Topf, und das hat, wie man am Kaukasus, in Nordwest-Indien und anderswo beobachten kann, schlimme Folgen. Heutzutage tut man also gut daran, geduldig zu warten, bis der Befreier, die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt ihn mit ehrfürchtigem Schaudern auch "Hegemon", kommt - von außen.
Nach welchen Maßstäben werden zu befreiende Völker ausgewählt? Der letzte Waffengang hat es gezeigt: Gute Chancen haben Unterdrückte, die in Gegenden leben , wo der Boden wertvolle Rohstoffe birgt. Noch besser werden sie, wenn ihr Tyrann von dem Kriegsherrn, der ihm nun ans Leder will, einst regelrecht gehätschelt und aufgerüstet wurde. Hat dieser Bösewicht es inzwischen allerdings geschafft, sich Waffen zuzulegen, die eine ganze Region - und den "Hegemon" - bedrohen, dann sieht es für sein Volk schlecht aus. Es wird ihn noch lange ertragen müssen.
Wann eilt der selbstlose Helfer herbei? Ein Kriterium scheint zu sein, daß die Einwohner eines Staates selbst nicht wissen dürfen, daß sie unbedingt befreit werden müssen. Es mag ja sein, daß die meisten Menschen in diesem oder jenem Land in Furcht vor ihren Herren leben, daß sie diese sogar hassen. Aber sie haben sich arrangiert; die Familie soll nicht leiden, sie lieben ihre Heimat, fremde Lebensart lockt sie nicht. Deshalb denken sie, ganz anders als die Deutschen 1813, auch gar nicht daran, sich gegen diejenigen, die sie quälen, zu erheben. Also muß der Befreier diese störrischen Menschen mit Heeresmacht zu ihrem Glück zwingen.
Haben des "Hegemons" Truppen erst einmal die Grenzen überschritten, dann wird es, wie zu beobachten war, kompliziert für beide Teile. Denn statt den Heilbringern Blumen zu flechten und Preislieder zu singen, wehren sich die zu Befreienden zum Erstaunen der Eindringlinge mit Zähnen und Krallen. Ergo schießen diese aus allen Rohren; es muß schließlich mit der Befreiung weiter gehen! Frauen und Kinder sterben bei "Kollateralschäden". Das stimuliert nicht nur den Widerstand - Protest artikuliert sich in der ganzen Welt. Der Befreier ist erstaunt, sieht sich verkannt und schmollt.
Der "Hegemon" fühlt sich aber auch einsam. Das wird ihn darin bestärken, sich auch in Zukunft sein Mandat nicht von der UNO zu holen, sondern gleich die höhere Instanz, den angeblich für ihn zuständigen Gott, bitten, seinen Truppen den Sieg zu verleihen. Das aber wird den meisten von denen, zu deren Nutz und Frommen er das Schwert gezogen haben will, wieder nicht gefallen, erinnert sie dies doch nicht an 1813, sondern an Zeiten, in denen sich Kreuzritter auf ihre Rosse schwangen, um die Heiligen Stätten in Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien. Also rufen die vom Gewaltherrscher bereits Erlösten gemeinsam mit den vielleicht noch zu Erlösenden nun ihrerseits Allah um Beistand an, die Muezzins rufen zum "Heiligen Krieg". Und damit sind wir denn trotz der besten Absichten des "Hegemons" wieder da angelangt, wo wir keinesfalls hin wollten: Im finstersten Mittelalter. |