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(UN) ZEITGEMÄSSE BETRACHTUNGEN: Schöne neue Welt des Klonens



Dr. Philipp Fabry (VACVorsitzender 1971–1975) ist Vorsitzender des Stiftervereins Alter Corpsstudenten. In den (Un)zeitgemässen Betrachtungen stellt er ein aktuelles Thema zur Diskussion.

ein Kommentar von Philipp W. Fabry Hassiae Gießen, Thuringiae Jena

 

Die Raelianer jubeln: Das Klonbaby ist da! Zweifel sind erlaubt. Daß aber weltweit an einem solchen gebastelt wird, steht fest. Anscheinend haben einige Wissenschaftler des Prometheus Worte etwas zu wörtlich genommen. Denn Goethe zufolge wollte der Götterliebling zwar "Menschen schaffen, die ihm gleich" seien. Ob er damit aber das Kopieren, auch Klonen genannt, gemeint hat? Da bin ich mir nicht so sicher. Die Diskussion, ob man nicht nur Tiere, sondern auch Menschen reproduzieren dürfe, ist denn auch voll entbrannt.

 

Aber weshalb regen sich die Gegner denn so auf? Wenn ich - als Laie - die Sache richtig verstehe, dann eröffnet zumindest das therapeutische Klonen ungeahnte Möglichkeiten! Bald könnte auf der Fensterbank neben dem Usambaraveilchen und dem Glas mit der Kefirkultur ein Gefäß seinen Platz finden, in dem Bürger und Bürgerinnen Ersatzorgane für Körperteile züchten, mit denen sie nicht mehr so recht zufrieden sind. Der Boxer mit dem häßlichen Blumenkohlohr wird, wenn das Surrogat herangereift ist, wieder ohne Komplexe um seine Angebetete werben können, und ältere Damen werden hoffnungsfroh den Wachstumsprozeß in einem Töpfchen beobachten, in dem der Ersatz für das saure Nierchen, das sie schon länger quälte, gluckert. Immunprobleme gibt es ja nicht mehr. Kein Wunder, daß diese Methode so viele Befürworter findet!

 

Aber Individuen reproduzieren? Gewiß, vor der Möglichkeit, man könnte sich selbst begegnen, mag es sogar manch furchtlosem Corpsstudenten grausen; nicht jeder ist schließlich ein Schwarzenegger oder, vom Charakter her, ein Albert Schweitzer, nicht jede Dame eine Monroe oder eine Mutter Theresa. Aber auch die Allgemeinheit muß sich vorsehen! Niemand kann dafür garantieren, daß die Körperzellen Stalins oder anderer Bösewichter vollständig verwest sind, und wenn das Klonen erst einmal richtig in Schwung gekommen ist, wird auch ein neuer Frankenstein die Chance nutzen, sich zu verdoppeln.

 

Das Fazit: Eine Behörde muß her! Sie muß darüber entscheiden, wer geklont werden darf und wer nicht. Das wird schwierig werden. "Was, Herr Meyer, Sie wollen sich klonen lassen? Und was ist mit den zwei Fahrverboten wegen Alkohol am Steuer? Warten Sie lieber ab, bis sich diese böse Neigung ausgemendelt hat! Ihr Sohn kann es ja noch einmal versuchen! Was, Sie haben keinen, und Sie wollen sich deshalb klonen lassen? Dann kann ich Ihnen auch nicht helfen! Bei dem Risiko . . ." So könnte ich mir den Monolog eines Klonüberwachungsbeamten vorstellen.

 

Soweit kommt es nicht? Mag sein. Aber sicher ist das nicht. Bisher wurde das, was machbar ist, auch stets gemacht; der Hinweis auf die Kernspaltung und genveränderte Lebensmittel mag hier genügen. Außerdem sind die Dämme, die das verhindern könnten, allen Beschwörungen der Ethikräte zum Trotz längst geborsten - spätestens seit dem Moment, in dem der Mensch nichts mehr dabei findet, an Embryonen herum zu experimentieren und sie auch dann abzutreiben, wenn keine medizinische Indikation gegeben ist. Nur Sophisten könnten uns noch erklären, warum das keine Verletzung der Menschenwürde sein soll, die Nutzung von embryonalen Stammzellen zu therapeutischen Zwecken oder zur Eugenik aber sehr wohl.

 

So schwindet die Hoffnung, dem vermessenen Treiben könnten Politiker, Philosophen und Geistliche Einhalt gebieten, vollends. Und warum ist es vermessen? Bemühen wir den eingangs zitierten Prometheus. Der läßt es ja beim Menschenbilden nicht bewenden; er fügt noch hinzu: " . . . und Dein nicht zu achten wie ich!" Wem er auch immer trotzen mochte - er nannte das Wesen "Zeus", wir wissen das nicht mehr so genau - der darob Erzürnte wußte sich zu wehren. Wie? Sinnigerweise dadurch, daß er dafür sorgte, daß sich die zerstörte Leber des Götterlieblings täglich reproduzierte. Dieser soll, der Sage nach, furchtbar gelitten haben.

 

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