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(UN)ZEITGEMÄSSE BETRACHTUNGEN



Dr. Philipp W. Fabry (VAC-Vorsitzender 1971 – 1975) ist Vorsitzender des Stiftervereins Alter Corpsstudenten. In den (Un)zeitgemäßen Betrachtungen stellt er ein aktuelles Thema zur Diskussion. E-Mail: dr.fabry@t-online.de

ein Kommentar von Philipp W. Fabry Hassiae Gießen, Thuringiae Jena

Zugvögel und Sturmvögel

Wenn ich ein Vöglein wär’. . . flög ich zu dir!“ Leider ist dieses schöne Volkslied aus der Mode gekommen. Nicht etwa, weil ihm etwas Flatterhaftes anhaftet. Das ist ja heute, wie man so schön sagt, „in“! Denken Sie nur an jenen Starpolitiker, der vor kurzem nicht nur mehrmals seine Meinung, sondern auch seinen Aufenthaltsort wechselte – von München nach Berlin nach München –, und das mit einer nie gekannten Geschwindigkeit!

Aber das ist nicht mein Thema. Ich bin traurig, weil ich von der im Lied ersehnten Metamorphose heute dringend abraten muß, und die Unbefangenheit, mit der ich so gerne „Nach Süden nun sich lenken/die Vöglein allzumal“ sang, ist auch dahin. Denn weltweit verfolgen Behörden streunendes Geflügel, vor allem Zugvögel, mit einer Inbrunst, wie sie zum letzten Mal bei der Ketzerverfolgung der spanischen Inquisition zu beobachten war. Selbst der Kranich, einst Verkörperung der von Reinhard May besungenen „grenzenlosen Freiheit über den Wolken“, muß sich beim Rasten vor knüppelschwingenden Wüterichen hüten.

Weshalb legen wir, angeblich so tierliebend, ein Verhalten an den Tag, das früher unweigerlich zu sozialer Ächtung geführt hätte? Wir fürchten die Vogelgrippe! Sogar eine Pandemie, so heißt es, sei nicht auszuschließen. Also wagen sich manche Zweibeiner wegen des rieselnden Vogelkots nur noch mit einem Schirm ins Freie. Aber auch domestiziertes Geflügel muß leiden. Hühner, die in freier Natur Regenwürmer pickten, darob glücklich waren und deshalb besonders große Eier legten, müssen nun wieder in Ställen hausen und statt frischem Quellwasser gechlorte Brühe aus der Leitung schlürfen. Und mancher Zuchterpel wird frustriert durchs Drahtgitter spähen, das ihn nun von der Wildente trennt, mit der er sonst so gern poussierte.

Nun gut – nichts gegen Vorbeugung! Schließlich sollen 70 Personen in fernen Ländern der Vogelgrippe schon erlegen sein. Aber sind nicht kürzlich 70 000 Menschen einem Erdbeben zum Opfer gefallen? Also ein wenig mehr Gelassenheit, wenn ich bitten darf! Bald ist die Saison ohnehin zu Ende und der Spuk vorbei.

Unsere französischen Nachbarn hingegen haben sich eine echte Pandemie schon eingefangen, und daß sie saisonbedingt ein Ende nimmt, ist kaum zu erwarten. Auch sie wird mit Wanderungsbewegungen erklärt; „Migranten“, eine Spezies der Biologie, der erst seit wenigen Jahren auch Personen zugeordnet werden, sollen sie verbreiten. Das stimmt zwar nicht, denn diese Menschen wandern nicht umher. Sie kamen vielmehr als Immigranten, aber viele wurden im Gastland nie heimisch, und ihre Kinder hassen den Staat, der ihnen keine gesellschaftliche und berufliche Zukunft bietet. Das entlädt sich in Gewalt. In den Brennpunkten verglühen nicht nur Fahrzeuge – auch die Illusion einer multikulturellen Gesellschaft zieht mit den Schwaden davon. Das kann bei uns nicht passieren? Da bin ich mir nach der Lektüre der letzten Pisastudie nicht so sicher.

Aber selbst wenn wir in der Bundesrepublik davon verschont bleiben – die schrecklichen Szenen, die sich täglich vor Lampedusa, vor Ceuta und Melilla abspielen, müßten auch uns Deutschen den Schlaf rauben. Sie zeigen, daß „Migranten“ selbst den Tod nicht scheuen, um in das vermeintliche Paradies, Europa, zu gelangen. Konferenzen jagen sich, ein Erfolg zeichnet sich nicht ab. Wie denn auch? Anders als bei Zugvögeln kennt diese Migration keine Saison. Diejenigen, die heute kommen, sind Sturmvögel, Vorboten der kommenden Völkerwanderung, die Hunderttausende von Afrikanern mit sich reißen wird und deren Ziel Europa ist.

Wer will sie aufhalten? Gelingt es nicht in letzter Minute, diesen Menschen einen Anreiz dafür zu bieten, in ihrer Heimat zu bleiben, dann wird der Strom erst dann versiegen, wenn sich der weite Weg nicht mehr lohnt. Kommt es soweit, dann sind freilich alle verloren – wir Europäer und die ungebetenen „Migranten“ gleich mit.

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