![]() |
ein Kommentar von Philipp W. Fabry Hassiae Gießen, Thuringiae Jena „Viel Lärm um nichts“. Gewaltprävention nach Erfurt.
Respekt, Respekt! Kaum waren Steinhäusers Schüsse in Erfurt verhallt, da jagten sich die Krisensitzungen der Bundesregierung und des Bundestags. Und es kam sogar etwas dabei heraus! Nun muss sich der Amokläufer zusammenreißen, bis er 25 Jahre alt ist, denn erst dann kann er legal an die Pistole kommen, mit der er seine Untat begehen will. Der Minderjährige spürt frühes Leid, steht er doch in Zukunft schluchzend vor der Videothek oder dem Medienmarkt, weil er selbst noch keine „gewaltverherrlichenden Videos oder Computerspiele“, wie es so schön heißt, ausleihen oder kaufen darf. Da kann nur der große Bruder helfen! Er wird abends auch länger aufbleiben müssen, denn die privaten Fernsehsender haben, eingedenk ihrer Verantwortung für Jugend und Gesellschaft, die bei Jugendlichen so beliebten Lustmorde und Folterungen um eine halbe Stunde nach hinten verschoben. Und in der Schule lauern, wie neuerdings im Saarland, „social worker“ (!) auf die übermüdeten Kleinen; sie sollen sie ständig daran erinnern, dass Gewalt geächtet werden muss. Die Begeisterung der Lehrer, die glaubten, das gehöre zu ihrem ureigensten Erziehungsauftrag, soll sich, so wird gemunkelt, in Grenzen halten.
Nun hat es schon immer Amokläufer gegeben, und es wird sie immer geben. Diese Psychopathen greifen zum Küchenmesser, wenn es an einem Colt mangelt; Geduld ist ihre starke Seite nicht. Und was Videos und Filme anbelangt: Die Kultusminister, immer die Hand am Puls der Zeit, haben in der Annahme, der Computer sei endlich der lang ersehnte „Nürnberger Trichter“, die Schulen flächendeckend damit ausgestattet. Was Grundschüler beim Surfen im Internet so alles finden können, schlägt selbst das Nachtprogramm einschlägig ausgewiesener Fernsehsender bei weitem. Aber warum denn dann der blinde Aktionismus des Gesetzgebers? Churchill wird der Satz zugeschrieben: „Politiker denken an die nächsten Wahlen, Staatsmänner an die nächste Generation“. Da könnte was dran sein!
Nennen wir das Kind doch beim Namen: Gewalt sickert unserer Welt, unserer Gesellschaft aus allen Poren. Mord, Totschlag, Folterungen allerorten – mit diesem alltäglichen Schrecken, von den Medien von morgens bis abends in die Wohnungen eingespeist, wachsen unsere Kinder auf. Der Gewöhnungseffekt stranguliert das sich entwickelnde Gewissen, zumal man den Eindruck hat, dass die Göttin der Gerechtigkeit, stößt sie auf die Faustrechtkonkurrenz, immer öfter Reißaus nimmt. Schlimmer aber ist, dass das naive Vertrauen des Heranwachsenden in den wachsamen Staat, der ja mit Hilfe des Gewaltmonopols dafür sorgen soll, dass sich Gesetzlosigkeit niemals auszahlt, schwindet. Er erfährt zum Beispiel nicht nur, dass seinem kriminellen Altersgenossen ein Erlebnisurlaub in Südamerika verordnet wird – darauf kann er, solange er sauber bleibt, lange warten! – er sieht auch, dass es immer dieselben Täter sind, die jedes Jahr in Berlin bei den Maikrawallen Polizisten prügeln und verletzen.
Und was ist mit der „Gewaltprävention“? Im Buch Jesus Sirach steht: „Wer sein Kind lieb hat, der züchtigt es!“ Mit meiner kindlichen Unart, die Tochter des Nachbarn bei jeder Gelegenheit kräftig an ihren langen blonden Haaren zu zausen, hatte es jedenfalls für immer ein Ende, als mir mein Vater eine kräftige Tracht Prügel verabreichte. Das war „Gewaltprävention live“, und mit nachhaltigem Erfolg. Aber ich warne vor Nachahmung! Ein empörter Nachbar könnte den Vater denunzieren, und das könnte diesen – ein neues Gesetz erleichtert das – hinter Gitter bringen. Denn unsere Gerichte schützen die Unmündigen und verfolgen unbarmherzig jeden, der ihnen weh tut. Dass sie gelegentlich Behörden zwingen, junge Gewalttäter zu reimportieren, fällt demgegenüber kaum ins Gewicht, solange es nur die Bayern trifft. Oder? |