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Wohnen und Studieren in der Corpsgemeinschaft
von Christel Hülsmann-Streitbürger Das Corpshaus. Es ist nicht nur Studentenwohnheim und geselliger Mittelpunkt. Hier wird auch für das Studium gearbeitet. Hier leben Studienanfänger und ältere Semester zusammen. Aus dem engen Zusammenleben von Studenten verschiedener Fachrichtungen ergeben sich immer wieder Denkanstöße aus anderen Studienbereichen, die dazu führen, Probleme unter völlig verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten. Und damit den Horizont zu erweitern, Anregungen zu empfangen, die Nase auch mal in andere Fächer zu stecken. Das hat noch zu keiner Zeit geschadet. Der Massenbetrieb der Universitäten ist leider kaum Anlaß, Neugier auf andere Studieninhalte zu wecken.
Der Kreis der Corpsbrüder ist dazu besser geeignet. Ein Corpshaus ist auch der ideale Ort, um soziale und organisatorische Kompetenz zu erlernen. Hier müssen die Interessen einer Großfamilie unter einen Hut gebracht werden. Wer wohnt in welchem Zimmer? Wie sieht der Speiseplan für das Mittagessen dieser Woche aus? Wer verwaltet die Kasse? Wer kauft ein? Wie sieht das Programm für's Semester aus? Stellen wir die Möbel im Wohnzimmer mal anders? Corpsbruder R. hat Probleme mit seiner Hausarbeit? Wie können wir ihm helfen? Wer kümmert sich darum?
All diese Fragen und viele, viele andere müssen in der Gemeinschaft der Corpsbrüder geklärt werden. Jeder übernimmt Verantwortung; jeder lernt daraus, nicht nur für den Augenblick, sondern für seine Zukunft. Es gibt übrigens fast 170 Corpshäuser in Deutschland und in Österreich. Gleichgültig, welchen Eindruck die Häuser von außen machen, ob im Stil moderner Sachlichkeit oder im prunkvollen Stil der Gründerjahre - auf das Innenleben hat das keinen Einfluß. In jedem Haus gibt der Zusammenhalt der Corpsbrüder den Ton an.
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