Hoch bitte – Los!



Vorbereitung einer Mensur (Künstler unbekannt)

Die Mensur, also das studentische Fechten mit scharfen Waffen, zählt einerseits zu den unverzichtbaren Merkmalen eines Corps. Andererseits ist es auch eines der Bestandteile des Corpslebens, die dem jungen Studenten, der zum ersten Mal damit in Berührung kommt, nicht unmittelbar verständlich sind. Zu diesem Thema gibt es auch weit verbreitete Missverständnisse und Irrtümer.

Bei der Mensur geht es nicht nur um Traditionspflege, sondern auch um eine Bewährungsprobe, der sich jeder Corpsstudent unterziehen muss. Die gemeinsame Vorbereitung und das tägliche Training stärken den Zusammenhalt im Corps. Bei keinem anderen Element der corpsstudentischen Kultur wird die Gemeinschaft deutlicher spürbar. Der junge Student lernt, einer bedrohlichen Situation gefasst entgegen zu treten und sie mit seinen eigenen Fähigkeiten und der Hilfe seiner Freunde zu bestehen.



Georg Mühlberg: „Der Herr Paukant“. Darstellung eines Fechters mit Korbschläger (um 1900)

Gleichwertige Gegner

Die Mensur ist zwar aus dem studentischen Duell entstanden, hat aber mit einem Duell seit rund 150 Jahren nichts mehr zu tun. Eine Mensur wird nicht gefochten, um Genugtuung für eine Beleidigung zu geben. Eine Mensur ist vielmehr ein stark reglementierter Fechtkampf zwischen zwei Vertretern verschiedener Studentenverbindungen, die von den Fechtbeauftragten ihrer jeweiligen Verbindung als gleichwertige Gegner ausgesucht worden sind. Da die Gegner „bestimmt“ werden, spricht man auch von einer „Bestimmungsmensur“.

Das Mensurfechten kann auch nicht als Sportart betrachtet werden, denn hier geht es nicht darum, den Gegner zu besiegen. Die Leistung des Fechters wird von den Mitgliedern des eigenen Corps bewertet, und zwar unabhängig von der Leistung des anderen. Dabei zählt nicht nur die gezeigte Hiebtechnik, sondern vor allem die innere Einstellung, die Moral.

Schutz ständig verbessert

Schwerwiegende oder gar tödliche Verletzungen sind bei der Mensur nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen. Dafür sorgen die Schutzvorkehrungen, deren Gestaltung auf jahrhundertealten Erfahrungen mit Fechtverletzungen beruht und ständig verbessert wird. So ist seit nunmehr fast einem Jahrhundert in ganz Mitteleuropa kein tödlicher Unfall mehr vorgekommen. Das können nicht viele „Sportarten“ von sich behaupten.

Die Mensur wird heute von den Corpsstudenten als ein Mittel zur Charakterfestigung, Persönlichkeitsbildung und Vertiefung des Gemeinschaftsgefühls betrachtet, das sich durch andere Maßnahmen nicht ersetzen lässt. Wie tief das Erlebnis einer Mensur sein kann, kann auch durch Worte nicht vermittelt werden. Das muss letztlich jeder selbst erfahren.

 

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